Deutsches Plakat Museum: Mit dem Zug durch Europa

Cover unter Verwendung eines Plakates von Leo Marfurt (Detail)

Vom 6. November 2010 bis 16. Jänner 2011 zeigt das Deutsche Plakat Museum in Essen die nostalgische Themenschau „Mit dem Zug durch Europa. Plakate für Luxusreisen um 1900“. Sie ist als Ergänzung zur Ausstellung „Bilder einer Metropole. Die Impressionisten in Paris“, die derzeit im Museum Folkwang mit großem Erfolg gezeigt wird, konzipiert. Züge und Bahnhöfe spielten als Motiv in der Kunst der Epoche um 1900 eine bedeutende Rolle. René Grohnert, der Leiter des Plakat Museums, hat zu diesem Thema eine exklusive Schau mit 90 Objekten zusammengestellt. Dabei wird man mit einer Zeit konfrontiert, in der längere Zugreisen ein noch absoluter Luxus und wohlhabenden Kreisen vorbehalten waren.

Zur Ausstellung ist ein elegant gestalteter Katalog erschienen, der aufgrund der zahlreichen Abbildungen und der instruktiven Texte auch für sich alleine Bestand hat. Dirk-Marko Hampel widmet sich darin dem Thema „Luxusreisen und Lebensalltag“, René Grohnert den Bereichen „Plakate für Luxusreisen um 1900“, „Plakate für Züge in den 1920er Jahren“ sowie „Reiseziele und Hotels um 1900“.

Der Österreichbezug ergibt sich bei dem Thema unter anderem aus der Tatsache, dass die Route des Orientexpress über Wien ging. So wird in der Ausstellung ein Plakat des spanisch-französischen Künstlers Rafael de Ochoa y Madrazo, das für diese Linie warb, gezeigt. Darauf sind als markante Punkte der Reiseroute groß die Hagia Sophia in Istanbul und etwas kleiner die Wiener Karlskirche dargestellt. Interessant ist die Wienansicht vor allem deshalb, weil darauf der Karlsplatz noch ohne Verbau des Wienflusses und mit der heute nicht mehr bestehenden Elisabethbrücke abgebildet ist. Die Brückenfiguren, die ebenfalls auf dem Plakat zu sehen sind, haben sich erhalten und befinden sich nunmehr auf dem Rathausplatz.

Das Blatt bietet darüber hinaus einen architekturhistorisch reizvollen Vergleich zwischen der Kirche und der Moschee, die ja auch ursprünglich eine Kirche war. Die Gegenüberstellung zeigt, wie ähnlich sich die beiden Gebäude im Grunde genommen mit Kuppel und Minaretten beziehungsweise Säulen sind. Was hier dem Grafiker 1891 instinktiv auffiel, konnte der Wiener Kunsthistoriker Claudius Caravias sehr viel später in seinem 2008 erschienenen Buch „Die Moschee an der Wien“ auch wissenschaftlich belegen. Nämlich die Tatsache, dass der Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach aus ideologischen Gründen bewusst optische Anklänge an Rom und Konstantinopel in die Gestaltung der Karlskirche mit einfließen ließ.

Dieses Beispiel zeigt, wie sehr Plakate – in ihrer pointierten Darstellungsweise – Dinge herausarbeiten und fokussieren können, die weit über ihren ursprünglichen Werbezweck hinausgehen.

Die Ausstellung „Mit dem Zug durch Europa“ ist die dritte Schau, die das Deutsche Plakat Museum in seinen neuen, attraktiven Präsentationsräumen zeigt. Im Rahmen der baulichen Erweiterung des Museums Folkwang in Essen hat auch das Deutsche Plakat Museum dort eine Heimstatt gefunden. René Grohnert hat 2010 am nunmehrigen Standort bereits zwei spannende Ausstellungen kuratiert, die renommierten zeitgenössischen deutschen Designern gewidmet waren: „Raumeroberungen. Plakatgestaltung Kieser – Matthies – Rambow“ und „Punktum. Plakate von Uwe Loesch“.