HAP Grieshaber in Essen

Covermotiv nach HAP Grieshaber, 1961 Buchgestaltung: Steidl Design/Sarah Winter

Covermotiv nach HAP Grieshaber, 1961 Buchgestaltung: Steidl Design/Sarah Winter

Das Museum Folkwang in Essen zeigt vom 29.1. bis zum 3.4.2011 die Ausstellung „HAP Grieshaber. Serien und Plakate“. Der Leiter des Deutschen Plakat Museums, René Grohnert, und der Kurator der Grafischen Sammlung des Museums, Tobias Burg, haben eine spannende Schau über den Grafiker (1909 – 1981) zusammengestellt. Zu diesem wichtigen Kapitel deutscher Kunstgeschichte erschien ein umfangreicher und fein gestalteter Katalog. Darin gehen Tobias Burg und René Grohnert ausführlich auf die gebrauchsgrafischen Arbeiten des Künstlers ein. Unter anderem schreiben sie: „Grieshabers Plakate sind im besten Sinne Medium, sind Vermittler zwischen Grafik und Plakat, zwischen Galerie und Straße, zwischen seinem eigenen Leben und der Öffentlichkeit. Sie sind direkte Zeugnisse seiner Auseinandersetzung mit zentralen Themen wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit. Die spezifische Art der Produktion und des Umgangs mit den Plakaten stellt diese in die Tradition der sogenannten Künstlerplakate, zugleich aber weisen sie darüber hinaus, denn Grieshaber produzierte in selber Manier auch Plakate als Auftragsarbeiten.“ Im Werk von HAP Grieshaber gibt es auch interessante österreichische Bezüge: Es ist wohl kein Zufall, dass gerade aus dem Jahr 1968 ein Ausstellungs-Plakat des politisch links engagierten Künstlers für die Wiener kommunistische „Zentralbuchhandlung“ erhalten ist. Im Zentrum Wiens, in der Schulerstraße, präsentierte der Grafiker seinen berühmten „Totentanz von Basel“. Drei Jahre später, vom 16.11. bis zum 30.12.1971, zeigte das Wiener Künstlerhaus eine umfangreiche Auswahl von Grieshabers Holzschnitten, die mit passenden Arbeiten von Mitgliedern des Künstlerhauses ergänzt wurde. Der renommierte Kunstkritiker der Wiener „Arbeiter-Zeitung“, Harald Sterk, widmete damals der Ausstellung unter dem Titel „Fern vom Betrieb, aber in der Zeit“ eine ausführliche Besprechung: „In der Künstlerhausausstellung kann man sehr gut eine Übersicht darüber gewinnen, was das Werk Grieshabers ausmacht und was aus ihm wirkt. Wie er in den dreißiger Jahren noch mühsam begann und wie er heute souverän über ein Repertoire verfügt, das die Mythologie ebenso umfasst wie die Totentanz- und Passionsmotive, also die klassischen Holzschnittthemen und wie er in mehreren differenzierten Druckphasen Farbe als ein eigenständiges Ausdrucksmittel verwendet.“

Grieshaber wählte für das Plakat der Wiener Ausstellung das Motiv seines Holschnittes „Sterbende Graugans“ in veränderter Kolorierung. Er hatte das Blatt als Hommage an den Verhaltensforscher und späteren Nobelpreisträger Konrad Lorenz 1971 geschaffen. Ein Jahr später taucht die Graugans in anderer Farbfassung als sterbender Schwan auf einem Plakat für eine Schwanensee-Produktion des „Württembergischen Staatstheaters“ wieder auf.

Grieshabers beide Wiener Plakate befinden sich in der Sammlung der Albertina Wien und sind auf deren Website einzusehen. Passend zum politischen Engagements von HAP Grieshaber veranstaltete das Wiener Künstlerhaus aus Anlass des 20. Jahrestages der Gründung der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer vom 9. bis zum 19.12.1971 die ergänzende Ausstellung „Plakate der Widerstandsbewegung“.

Weitere Informationen:
Sterk, Harald: Fern vom Betrieb, aber in der Zeit, in: Arbeiter-Zeitung, 1.12.1971, S.8.
Albertina Bilddatenbank