Tourismuswerbung in der Österreichischen Nationalbibliothek

Ausstellungskurator Christian Maryška bei der Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation, Foto: Österreichische Nationalbibliothek / APA-Fotoservice / Hautzinger

Schon in der Eingangshalle der Nationalbibliothek beginnt die sommerliche Reise: Ganz ungewohnt und sehr auffallend, aber doch irgendwie passend stehen dort Liegestühle umher und bereiten so darauf vor, was einen im Prunksaal erwartet: Die große Sommerfrische-Ausstellung unter dem Titel „Willkommen in Österreich“. Aus den mehr als 100.000 Exemplaren der Plakatsammlung wurden siebzig Ferienplakate ausgewählt, die zeigen, wie Österreich von ca. 1900 bis in die 1970er Jahre um sommerliche Touristen warb, vom Beginn der Tourismus-Plakatwerbung also bis zu dem Zeitpunkt, als Fotoplakate bevorzugt wurden. Am Anfang steht – „natürlich“ möchte man fast sagen – der Kaiser, wie er in Bad Ischl nach dem Wetter ausschaut, eine farbige Heliogravüre nach einem Aquarell. Auch das wunderschöne Jugendstilplakat aus dem Jahr 1912, das für die Mittenwaldbahn wirbt, ist noch von einem Maler, nämlich Gustav Jahn, gestaltet. Gebrauchsgrafiker gab es ja erst ab den 1920er Jahren. Aus dem Jahr 1973 ist dann eines der letzten, aber sicher auch eines der schönsten Plakate der Ausstellung: Arthur Zelger, der das grafische Schaffen Tirols nach dem Zweiten Weltkrieg prägte, zeigt ein völlig reduziertes, dennoch hochdramatisches Bild seiner Heimat.

Arthur Zelger, Plakat, 1973

Arthur Zelger, Plakat, 1973

Und dazwischen tut sich Österreich. So wie dieses Land als Sehnsuchtsort für Touristen aus aller Welt von der Werbewirtschaft und den ihr zuarbeitenden Kreativen halt gerne gesehen werden will: Trachtenpärchen und Dorfbrunnen, Musikanten und Blumen, Berge und Dirndln. Diese Bilder hatten ja auch Erfolg, denn zu den Wirtschaftsbereichen, die in Österreich in diesen Jahren boomten, gehörte auf jeden Fall der Tourismus. Da darf man auch gar nicht ungerecht sein, denn überall, auf der ganzen Welt sind Sehnsuchtslandschaften randvoll von Klischees. Ein wenig wird das in dem Plakat, das für die Ausstellung in der Nationalbibliothek werben soll, umgangen. Es ist aus dem Jahr 1955, zeigt eine junge Frau, die sich im Vordergrund räkelt. Das tut sie nicht im Dirndl, sondern in einem formenbetonenden Badeanzug, dahinter aber ist natürlich Berg und Burg, Tal, Fluss und Vierkanthof zu sehen.

Bernd Steiner, Plakat, 1933

Bernd Steiner, Plakat, 1933

Zwei Plakate sind – bei diesem ersten, ganz subjektiven Rundgang – noch aufgefallen: Holidays in Austria von Bernd Steiner aus dem Jahr 1933, also der Hoch-Zeit der Plakatkunst. Da sind natürlich Berg und Wasser dargestellt, aber auch Menschen, die baden und rudern, flanieren oder einfach von einem hohen Turm herunter schauen. Ein ganz eigenartiges Plakat, auf dem die Schwarz- und Grautöne überwiegen, wirbt für das rote Wien: alle Fremdenverkehrsklischees beiseite lassend thront das Amalienbad wie eine Burg hoch über der Stadt. Und weil ja die meisten Touristen aus unserem nördlichen Nachbarland kommen, hat man von dort sowohl Slogan als auch Bildmotiv eines der prominentesten österreichischen Tourismus-Plakate ausgeliehen: Den Spruch „In der Wiese liegen und mit der Seele baumeln“ von Kurt Tucholsky und das dazugehörige Bild mit dem Hirtenknaben von Franz von Lenbach.

Weitere Hinweise:
Österreichische Nationalbibliothek – Ausstellungen – Willkommen in Österreich