Willkommen in Österreich: Eine sommerliche Reise in Bildern

Das von Christian Maryška und Michaela Pfundner herausgegebene Buch „Willkommen in Österreich“ ist auch der Katalog zur derzeit in der Österreichischen Nationalbibliothek gezeigten, gleichnamigen Ausstellung. Weil aber die Tourismusgeschichte – so die Herausgeber – innerhalb der Zeitgeschichte bisher kein großes Thema war, hat man gleich auch eine Kulturgeschichte des Sommertourismus in Österreich mit hinein verpackt. Da gibt es Aufsätze zur Entwicklung dieses Sommertourismus im Allgemeinen und im Besonderen, wie er sich auf Wiener Ausstellungen darstellte und wie Deutschnationalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein Wegbegleiter war. Tourismusarchitektur ist ein Thema und dann auch wie Sommertourismus in der österreichischen Literatur von Adalbert Stifter bis Elfriede Jelinek gesehen wurde. Weil am Rande ja die Urlaubsorte der Schriftsteller auch mit Literatur zu tun haben, ist davon sowieso die Rede.

Willkommen1

Der Teil, über das Grafikdesign, der an dieser Stelle sicher am interessantesten ist, beginnt mit dem Beitrag „Aus dem Bilderbuch der Monarchie. Österreichische Eisenbahnplakate um 1900“. Da wird auch gleich eines der Hauptthemen überhaupt angesprochen, nämlich wie „die starren Vorgaben der Auftraggeber die Kreativität der Entwerfer beeinträchtigten.“ Wenn das im Jahr 1896 Eisenbahnkompanien vorgeworfen wurde, bleibt es doch die ganze Geschichte des Tourismusplakates hindurch ein Thema. Bei den Eisenbahnplakaten gab es einen – von Frankreich ausgehenden – internationalen Stil, der anfänglich auch in Österreich Erfolg hatte. Der Beitrag zeigt aber, wie ein junger „Bergmaler“, nämlich Gustav Jahn, einen neuen Weg ging, der ganz stark vom Jugendstil beeinflusst war, und so einmalige Plakatkunstwerke schuf. Betrachtet man in dem Katalogbuch des Museums Folkwang „Mit dem Zug durch Europa, Plakate für Luxusreisen um 1900“ einschlägig Internationales, dann erkennt man, dass zu dieser Zeit in Österreich eine durchaus eigenständige Plakatkunst anzusehen war. Dies aber nicht auf Plakatwänden, sondern in Reisebüros und Bahnhöfen. Noch eine Randbemerkung zur Kunst des Gustav Jahn und seiner Zeitgenossen. Sie schufen auch Wandtafeln für Schule und Haus für die k.u.k. Hof- und Staatsdruckerei. Diese Tafeln hingen in den späten 1940er Jahren noch in den Volksschulen. Für alle, die damals in die Volksschule gingen, sind diese Plakate ein optisches Zurückfallen in Volksschultage, also Nostalgie pur.

Herausgeber Christian Maryška, auch einer der Kuratoren der Ausstellung, betitelte seinen Beitrag über die Sommerplakate für den Tourismus in Österreich – den Journalisten Rudolf John zitierend – ganz einmalig und so treffend, dass sich jeder Kommentar erübrigt: „Das Kracherlorange des Alpenglühens, das Ansichtskartenblau der Bergseen, das Glückskleegrün der Wiesen.“ Er erzählt die Geschichte dieser Plakate von der Zeit vor 1914 bis in die Zweite Republik, in der 1965 eine gewisse Plakatmüdigkeit festgestellt wurde. In diesem Artikel wird man als Betrachter einem optischen Wechselbad ausgesetzt, da tut sich hohe Plakatkunst genauso wie Engerl und Dirnderl und Bähnchen, gar nicht zu reden von Mozart auf dem Motorrad.

Bernhard Tschofen untersucht „Nationale Zeichenrepertoires und die Gesten der Gastlichkeit“. Er schreibt da von „einem Album der Selbstrepräsentation – obwohl vornehmlich nach außen gerichtet, durchaus mit Folgen für das Selbstverständnis und für die Wahrnehmung des Eigenen“ und weiter von einer nach innen gerichteten „Imagekampagne für das Land selbst“. Österreich-Tourismus warb daher nie mit mondäner Eleganz, sondern immer mit bodenständigen Angeboten. Tschofen stellt auch fest, dass die Plakate 1950 „etwas von der Idylle zeitgenössischer Kinderbuchillustrationen“ haben. (Und diese Infantilisierung hat sich – betrachtet man die Plakate unserer Tage – in den letzten sechzig Jahren erschreckend weiter entwickelt.)

Der letzte Abschnitt des Buches ist der Fotografie gewidmet, und zwar zuerst einmal der offiziellen Fotografie im Dienste des schönen Österreichs. Da wurde in den frühen 1930er Jahren die „verträumte und weltunerfahrene“ Heimatfotografie durch den Fremdenverkehr der Vergessenheit entrissen. Aber auch die privaten Urlaubsalben kommen vor, in denen der Fotografierende sich die Erinnerung an seinen Urlaub selbst schafft: Was nicht fotografiert wurde, war nicht vorhanden. Andrerseits – und das erlebt man ja durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Fotografie in diesen Tagen wieder selbst, dass erlebte Momente durch die Bilder Schönheit und bedeutungsvolle Aura erhalten. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit berühmten Persönlichkeiten, die an ihren Urlaubsorten posierten, seien es Kaiser oder Klimt.

Maryška, Christian – Michaela Pfundner (Hrsg.): Willkommen in Österreich, Eine sommerliche Reise in Bildern, Wien 2012.