Essen: Afrika – Reflexionen im Plakat

Afrika im Deutschen Plakat Museum (Foto: Jens Nober, Museum Folkwang)

Das Deutsche Plakat Museum im Essener Museum Folkwang zeichnet sich in seinen Projekten stets durch eine besondere Reflexionstiefe im Hinblick auf den Quellenwert von Plakaten aus. Hier wird nicht nur der designgeschichtliche Aspekt von Plakaten beleuchtet, sondern – und das macht die Ausstellungen und Kataloge meist besonders spannend und vielseitig – es werden auch sehr stark die kultur- und mediengeschichtlichen Aspekte der Materie berücksichtigt. Dieser Ansatz wurde bei der aktuellen Schau „Afrika – Reflexionen im Plakat“ besonders ergiebig umgesetzt. Die Ausstellung gliedert sich dabei in die drei Bereiche „kolonialer, antikolonialer und afrikanischer Blick“.

Der erste Teil ist den zum Teil überaus bedrückenden rassistischen Klischeebildern von Afrikanern aus der Sicht der Europäer gewidmet. Eine besondere Rolle spielten in diesem Zusammenhang die sogenannten „Völkerschauen“, bei denen Menschen aus Afrika wie exotische Tiere ausgestellt wurden. Die Historikerin Angelika Friderici hat dazu einen aufschlussreichen Katalog-Beitrag verfasst. Darin erfährt man, dass zwischen 1870 bis 1940 nicht weniger als 300 Menschengruppen aus verschiedenen Gegenden der Welt – aber vor allem aus Afrika – in Deutschland auf Tournee waren, wobei die einzelnen Truppen bis zu hunderte Male auftraten.

Auch die kommerzielle Werbung bediente sich dieser Schaulust an der Exotik. Dazu schreibt der Ausstellungskurator und Leiter des Plakatmuseums René Grohnert: „Ganz ausgeprägt wird ‚der Afrikaner‘ (so pauschal hat man ihn auch gesehen) als Diener dargestellt. Es sind afrikanische Männer, mehr noch Jungen, die als Diener für den weißen Herren bereitstehen. Als Marken sind aus dieser frühen Zeit zum Beispiel der Meinl-Mohr in Österreich und der Sarotti-Mohr in Deutschland erhalten.“

Im zweiten Bereich, der dem „antikolonialistischen Blick“ gewidmet ist, werden „Pro-Afrika-Plakate“ aus der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik gezeigt – interessant dabei das hohe grafische Niveau sowohl in West als auch in Ost.

Was das Ausstellungs-Projekt positiv auszeichnet, ist die Tatsache, dass man Afrika nicht ausschließlich in der Opferrolle präsentiert, sondern dass mit dem dritten Teil der Schau auch ein Überblick über die Plakatszenen in Afrika selbst geboten wird. Über diesen speziellen Zugang werden interessante Einblicke in die Vielfältigkeit des afrikanischen Kontinents eröffnet. Der Ethnologe Wendelin Schmidt, der für das Weltkulturenmuseum in Frankfurt/Main Plakate in Ghana, Benin und Nigeria gesammelt und erforscht hat, schrieb zu diesem Thema einen instruktiven Katalogbeitrag, dessen Fazit lautet: „Die lokal unterschiedliche Rezeptionsweise der globalen Bildproduktion ermöglicht zum einen lokale Interpretationen und Aneignungen dieser Bildwelten vor dem Hintergrund bestehender kultureller Normen, zum anderen werden diese Normen durch die Aneignung neuer Bildwelten verändert.“

Dem Thema Afrika widmet sich auch die Schau, „Afrika, hin und zurück“ der „Fotografischen Sammlung“ des Museum Folkwang, die ebenfalls bis zum 21.10.2012 zu sehen ist.

René Grohnert (Red.): Afrika – Reflexionen im Plakat, Deutsches Plakat Museum im Museum Folkwang, Göttingen 2012.