Essen: Plakate von Volker Noth

„Grafische Ideen und gestalterische Vorstellungen umsetzen – es ist schön, wenn dabei persönliche Neigung und berufliche Ambition zusammenkommen. Das wird aber nur möglich durch die Unterstützung, die Anregungen und das Vertrauen aller Beteiligten.“ So formuliert der deutsche Grafikdesigner Volker Noth die optimalen Rahmenbedingungen für seine Arbeit. Die aktuelle Ausstellung „Berliner Leben. Plakate von Volker Noth“ im Deutschen Plakat Museum in Essen, die dem Schaffen des Grafikers gewidmet ist, zeigt in überzeugender Weise, dass Noth derartige Voraussetzungen im Laufe seines beruflichen Lebens immer wieder vorfinden – oder sich auch schaffen – konnte. Besonders beeindruckend ist dabei seine – in der Essener Ausstellung ausführlich dokumentierte – Serie von Plakaten für die Berlinale. Von 1977 bis 2001 war Volker Noth für das Erscheinungsbild des renommierten deutschen Filmfestivals verantwortlich. Dem Designer gelang es aufgrund seiner bemerkenswerten Kreativität und seines themenadäquaten Zugangs, den Festspielen ein unverwechselbares grafisches Erscheinungsbild zu geben. Das Filmmuseum Berlin hat diesem Schaffen Noths eine eigene Publikation gewidmet, nämlich das im Jahr 2000 erschienene Buch „Berlinale Plakate 1977–2000“.

Volker Noth Grafik-Design (Umsetzung: Volker Noth, Brigitte Ehret): Plakat für eine Retrospektive zum Werk des Filmregisseurs Fritz Lang, Berlinale 2001

Volker Noth Grafik-Design (Umsetzung: Volker Noth, Brigitte Ehret):
Plakat für eine Retrospektive zum Werk des Filmregisseurs Fritz Lang, Berlinale 2001

Stießen die Arbeiten Volker Noths auch manchmal auf eine kleinliche lokale Kritik, so wurden sie international jedenfalls als vorbildlich wahrgenommen: „Das ‚Berliner (Plakat-)Leben‘ ist durch die Plakate von Volker Noth nachhaltig bereichert worden. Seine Arbeiten polarisierten oft und sorgten immer wieder für Diskussionen; sie bewiesen, welche kommunikative Kraft in Plakaten stecken kann, wenn man das Richtige zur richtigen Zeit an die Säulen zu bringen vermag“, so charakterisiert der Ausstellungskurator und Leiter des Essener Plakatmuseums, René Grohnert, die herausragende Arbeit des erfolgreichen Grafikers.

Neben den Arbeiten für die Berlinale zeigt die Ausstellung eine Reihe weiterer eindrucksvoller Plakate für Berliner Kulturinstitutionen. Insgesamt sind es 100 Beispiele aus der 400 Blätter umfassenden Sammlung an Noth-Plakaten des Museums. Zur Ausstellung erschien im Steidl-Verlag auch ein lesenswerter Katalog in gewohnt feiner Gestaltung. Das Deutsche Plakat Museum setzt damit seinen wichtigen Weg, herausragende deutsche Grafikdesigner mit Ausstellungen und Katalogen international zu positionieren, erfolgreich fort.

Obwohl es auch in Österreich vergleichbare Sammlungen mit hervorragenden Expertinnen und Experten gibt, haben hierzulande die entsprechenden EntscheidungsträgerInnen offenbar kein Interesse, das heimische kreative Potenzial im Bereich des Grafikdesigns in entsprechender Weise zu präsentieren.