Wien: Plakat-Symposium im Künstlerhaus

Nikolaus Link, Georg Lebzelter, Stepan Červenka, Plakatkunstprojekt „Geld macht sichtbar“ im Rahmen von „in.print.out - Grafik in/auswendig“, 2013 (Ausschnitt)

„Seit es Plakate gibt, haben sich KünstlerInnen mit den gestalterischen Herausforderungen dieses Mediums auseinandergesetzt und es weiterentwickelt. Das Symposium behandelt wichtige Aspekte dieses oft prekären Verhältnisses von Kunst und Kommerz, von Unikat und optischer Massenware, von autonomer und angewandter gestalterischer Tätigkeit“ – so formulieren Sergius Kodera und Georg Lebzelter, die für Konzept und Organisation des Plakat-Symposiums verantwortlich zeichnen, ihr Anliegen. Die Tagung findet im Rahmen des großen Grafikfestivals „in.print.out. Grafik in/auswendig“ am 24. und 25.5. im Wiener Künstlerhaus statt.

Eröffnungsredner des Symposiums wird der Leiter des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang in Essen, René Grohnert, sein. Der Titel seines Vortrages lautet „Kunst im Plakat? – Aber nur, wenn sie nicht stört!“ und lässt einen provokanten Anstoß zu einer angeregten Diskussion erwarten: „Hielt man es lange Zeit für opportun,“ so Grohnert, „bei der Erfüllung der ‚Aufgabe Plakat‘ künstlerische Mittel zur Steigerung der ästhetischen Qualität zu verwenden, so scheint aktuell die Aufgabe des Plakats bei der Gestaltung in den Hintergrund zu geraten.“

Im zweiten Tagungsbeitrag widmet sich Sergius Kodera, Kokurator der Ausstellung im Künstlerhaus und Dekan der Fakultät Gestaltung an der New Design University in Sankt Pölten, dem Thema „Post no bills: Die photographische Wahrnehmung des Plakates im urbanen Raum“. Marek Freudenreich, Grafikdesigner und langjähriger Professor an der Kunstuniversität Linz, meldet sich unter dem Titel „Kapitalistischer Realismus und Grafische Prozesse“ mit einem werbekritischen Beitrag zu Wort, danach referiert die Kuratorin der „Moravian Gallery“ in Brünn, Marta Sylvestrová, über „Film Poster Art under the Central State Promotion“. Den Abschluss macht am Freitag der Schweizer Art Director Stephan Bundi mit seinem Beitrag „Vom Künstlerplakat zum Plakatkünstler“.

Erster Redner am zweiten Symposiumstag ist der Wiener Historiker und Herausgeber von AUSTRIAN POSTERS, Bernhard Denscher, mit dem Vortrag „Kunst und Werbung: Interferenzen und Divergenzen in der stilistischen Entwicklung“.

Paul Coldwell, Künstler und Professor of Fine Art an der University of the Arts in London nimmt sich des Themas “The poster – public and private sites” an: “This lecture will consider the idea of the poster as that category of artworks that operates between public and private spaces and how the boundaries between commercial and fine art are merged taking particular examples to illustrate differing strategies and approaches.”

Die Leiterin der Plakatsammlung der „Wienbibliothek im Rathaus“, Julia König, wird über die 1951 begründete „Plakatwertungsaktion der Stadt Wien“ sprechen, der Kulturwissenschafter Peter Stasny zum Thema „Zur Konstruktion von Identität zwischen Kunst und Werbung: Joost Schmidts Plakat für die Bauhaus-Ausstellung von 1923“.

Der Plakatexperte der Österreichischen Nationalbibliothek, Christian Maryška, analysiert „Historische Schriftplakate vor dem Hintergrund einer typografischen Renaissance“: „Die Geschichte des Plakats beginnt mit reinen Textplakaten von Buchdruckern. Die Geschichte des modernen Plakats ist die Geschichte eines Text / Bild-Mediums. Textplakate gibt es allerdings bis in die heutige Zeit.“

Der Beitrag des israelischen Designers Yossi Lemel bildet unter dem Titel „Explosive Ideas“ den Abschluss der Veranstaltung: Er gibt dabei Einblicke in sein eigenes, hochinteressantes, weil politisch und humanitär motiviertes Plakatschaffen. Lemel über seine Arbeit: „My engagement with the global issues of human and civil rights, with crimes against the environment, and the nuclear problem, has lead me to work on the Israeli-Palestine conflict.”