Plakatkunst und Buchkunst

Buchdesign: Jianping He/hesign (Ausschnitt)

Plakatkunst trifft auf Buchkunst. Wenn das Thema eines Buches „100 beste Plakate“ heißt, dann kann das selbstverständlich nicht so abgehandelt werden, dass einfach ein Plakat nach dem anderen abgebildet wird. Da ließ sich Jianping He als Gestalter des Buches „100 beste Plakate 12“ schon einiges einfallen. Man kann nämlich nicht so einfach durchblättern, man muss schon zum Messer – wenn auch nur zum mitgelieferten Pappmesserchen – greifen, um an den gesamten Inhalt heranzukommen, weil, wie schon ein altes afrikanisches Sprichwort sagt: „Ohne Messer kein Kern“. Dieses Buch aus dem Hermann Schmidt Verlag in Mainz ist also kein reines Bilderbuch, es werden nicht nur die besten Plakate gezeigt, es wird auch theoretisiert und abgehandelt. Vom Zurückgewinnen der öffentlichen Anerkennung ist die Rede, dass die Plakatwerbung unterschätzt sei und der Beruf des Gestalters verkomme. Ja, und dass die Jury „Äpfel mit Birnen oder gar Karotten zu vergleichen hatte“, wie der Juryvorsitzende Christian Brändle in seinem Vorwort anmerkte. Denn, wie sind denn Kunst und Kommerz zusammenzubringen? Der bekannte Leiter des deutschen Plakatmuseums, René Grohnert, stellt in seiner historischen Betrachtung zu dem immerwährenden Missverständnis „Plakat + Kunst = Plakatkunst?“ den Auftraggebern, Gestaltern und Ausbildungsstätten schon die Rute ins Fenster, wenn er meint, dass man heutzutage der Aufgabe des Plakats im öffentlichen Raum und im Kontext mit anderen Medien inhaltlich und gestalterisch besser gerecht werden könne. Auf seinen Beitrag folgt eine Doppelseite, die einen in eine andere Welt entführt. Pure Nostalgie kommt auf, wenn man die sechs Plakate aus der Hoch-Zeit der Plakatkunst, Ende des 19., Anfang des 20.Jahrhunderts, betrachtet. (Demnächst mehr über Ludwig Hohlwein und Walter Schnackenberg an dieser Stelle.) Joanna Górska, die Jurorin aus Polen, einem Land, das immer wieder durch höchste Qualität bei grafischen Arbeiten auffällt, bringt es in ihrem Statement auf den Punkt: „Es ist schwierig, Plakate kompetent zu beurteilen, wenn man den Kontext und die Sprache ihrer Gestaltung nicht kennt und beherrscht. Viel einfacher ist es, zu erkennen, welche den Betrachter am meisten ansprechen … Ein gutes Plakat braucht nur wenige Sekunden, um seine Wirkung zu entfalten – davon bin ich fest überzeugt.“ Und wer könnte da anderer Meinung sein?

100 beste Plakate 12. Deutschland Österreich Schweiz, Mainz 2013.

Weitere Hinweise:
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