Egyd Gstättner: Das Geisterschiff

Buchcover (Ausschnitt)

„Ein Künstlerroman“ – so lautet der Untertitel des neuen Buches des bekannten österreichischen Autors Egyd Gstättner. Im Mittelpunkt steht dabei das bemerkenswerte Leben des Wiener Secessions-Künstlers Josef Maria Auchentaller. Es ist die Geschichte eines Shooting-Stars der Kunstszene, der allmählich zur Randerscheinung und dann zum zu Unrecht Vergessenen wird.

Josef Maria Auchentaller (1865–1949) erhielt zunächst eine Ausbildung an der Wiener Technischen Hochschule, dann an den Kunstakademien in Wien und München. Der junge Künstler schuf Gemälde und Grafiken, entwarf Schmuck und Interieurs, und er war bald auch als Plakatdesigner sehr erfolgreich.1899 wurde Auchentaller Mitglied der Secession und arbeitete intensiv in der Künstlervereinigung mit, unter anderem als Entwerfer des Plakates und des Kataloges für die 7. Ausstellung (1900) und als Mitglied des Redaktionskomitees der Zeitschrift „Ver sacrum“. Für die 14. Ausstellung der Secession im Jahr 1902 gestaltete nicht nur Gustav Klimt einen Beethoven-Fries, sondern auch Ferdinand Andri und eben auch Josef Maria Auchentaller. Gerade diese Arbeit Auchentallers, die sein Hauptwerk werden sollte, ist nicht nur nicht erhalten geblieben, sondern bescherte dem Künstler drückende ökonomische Probleme. In dieser Situation ergriff seine Frau Emma die Initiative, baute ein Hotel in Grado an der damaligen österreichischen Riviera und wurde so zu einer Pionierin des oberadriatischen Fremdenverkehrs. Die Familie Auchentaller übersiedelte nach Grado, was ihr eine dauerhafte wirtschaftliche Existenz sicherte, den Künstler jedoch nicht nur geografisch, sondern auch bezüglich seiner Karriere zu einer Randerscheinung werden ließ. Zumindest gelang ihm in dieser Zeit sein Grado-Plakat, das zu einer Ikone der internationalen Tourismuswerbung der Jahrhundertwende wurde. 1949 verstarb Josef Maria Auchentaller – von Österreich und der Kunstwelt vergessen – in Grado.

Im Jahr 2009 fand im Leopold Museum in Wien eine umfassende Schau zu Leben und Werk von Josef Maria Auchentaller statt. Die seinerzeitige Präsentation war unter anderem eine Anregung für Egyd Gstättner, den vorliegenden Roman zu schreiben. Dem Autor ging es dabei nicht so sehr um eine penible biografische Aufarbeitung, sondern sein Buch ist eine Art literarisch umgesetzte These, wie es sich zugetragen haben könnte, aber so nicht stattgefunden haben muss: „Vielleicht“, so der Autor am Schluss seines Romans, „hat ein Auchentaller in Wirklichkeit gar nie gelebt. Vielleicht habe ich seine Geschichte nur geträumt. Vielleicht werde ich seine Geschichte einfach erfinden.“

Gstättner, Egyd: Das Geisterschiff. Ein Künstlerroman, Wien 2013.