New York: Posters of the Vienna Secession

Joseph Maria Olbrich, Detail aus dem Plakat zur 2. Ausstellung der Secession, 1898

„Vienna: City of Dreams“ so lautet das Motto eines dreiwöchigen Festivals in New York aus Anlass des 25-Jahr-Jubiläums der Konzerte der Wiener Philharmoniker in der Carnegie Hall. An dem beeindruckenden Programm zur kulturellen Bedeutung Wiens, das dazu erarbeitet wurde, beteiligen sich einige der renommiertesten New Yorker Institutionen. Neben den Konzerten in der Carnegie-Hall ist etwa im Museum of Modern Art eine vom Wiener Filmmuseums-Direktor Alexander Horwath ko-kuratierte Schau mit über sechzig Spielfilmen zu sehen.

Die renommierte, auf deutsche und österreichische Kunst der Jahrhundertwende spezialisierte „Neue Galerie“ steuert zu dem Wiener Programmreigen die Ausstellung „Posters of the Vienna Secession, 1898 – 1918“ bei. Gezeigt werden dabei noch bis 30. Juni 2014 unter anderem Werke von Gustav Klimt, Joseph Maria Olbrich, Koloman Moser, Alfred Roller oder Egon Schiele. Der stilistisch weit gefasste Bogen umfasst das von Gustav Klimt entworfene, späthistoristische erste Ausstellungsplakat der Künstlervereinigung ebenso wie die Art Nouveau-Entwürfe nach französischem Vorbild, die Anfänge der geometrischen Abstraktion und eines der Hauptwerke des österreichischen Expressionismus, nämlich Egon Schieles Plakat für die 49. Ausstellung aus dem Jahr 1918.

Die Wiener Secession war mit ihren Präsentationen, Katalogen und Plakaten weit über den engen Kreis der Kunstinteressierten hinaus stilbildend. Bereits im Jahr 1899 schrieb der Publizist Franz Servaes in der Neuen Freien Presse anlässlich der Eröffnung der vierten Ausstellung der Künstlervereinigung: „‚Secessionistisch‘ ist in Wien ein Schlagwort geworden. Es soll etwa so viel bedeuten als ‚die letzte Note der Extravaganz‘. Schon wendet man das Wort nicht mehr blos von Zimmereinrichtungen und Bildern an, es gibt auch secessionistische Kleider, Haarfarben und Frisuren, gibt secessionistische Gesellschaftsmanieren, und sehr bald wird man finden, daß es auch moralische Gesinnungen gibt, die man einzig mit diesem Wort glaubt bezeichnen zu können.“ (21.3.1899, S.1)

Über den modischen Aspekt hinaus sind die frühen Plakate der Secessionisten noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Sie sind durchwegs von polemisch ausgerichteten Symbolbildern bestimmt, die den Kampf der Secession als Vertreterin des Modernen und Guten mit den finsteren Mächten konservativer Lebensauffassung in immer wieder neuen Formen zeigen. Hatte schon Gustav Klimt auf seiner ersten Affiche den Kampf von Theseus gegen den Minotaurus programmatisch dargestellt, so ließ Alfred Roller in seinem Plakat für die vierte Ausstellung die strahlende Sonne der Secession über dem dunklen Meer des Ewiggestrigen aufgehen. Die Künstler der Secession entwickelten damit in ihren Plakaten ein Bildinventar an Gut-Böse-Antagonismen, wie es erst zwei Jahrzehnte später in der Wahlwerbung der Ersten Republik wieder auftauchte.

Weitere Hinweise:
Neue Galerie – Posters of the Vienna Secession, 1898-1918