This Kiss to the Whole World

Einen besonders wertvollen Beitrag zum New Yorker Festival „Vienna, City of Dreams“ stellt die Online Ausstellung „‘This Kiss to the Whole World‘. Klimt and the Vienna Secession“ dar. Das Projekt ist eine Initiative des „New York Art Resources Consortium“ (NYARC), das aus einer Zusammenarbeit der Bibliotheken der „Frick Collection“, des „Brooklyn Museums“ und jener des „Museums of Modern Art“ entstanden ist. Präsentiert wird dabei Material zur Geschichte der Wiener Secession während der Präsidentschaft von Gustav Klimt.

1897 verließ eine Reihe von fortschrittlichen Künstlern unter der Führung von Klimt das Wiener „Künstlerhaus“ und gründete die „Vereinigung bildender Künstler Österreichs – Secession“. 1905 allerdings traten Klimt und sein engster Freundeskreis aufgrund von Meinungsverschiedenheiten wieder aus der Secession aus. Im Wesentlichen war es bei diesen Unstimmigkeiten darum gegangen, dass die bei der Gründung der Vereinigung noch zentrale Idee, der angewandten Kunst einen gleichberechtigten Stellenwert neben der sogenannten „freien“ Kunst einzuräumen, allmählich in den Hintergrund gedrängt wurde. Dass man dieser Forderung in den ersten Jahren der Secession noch großes Augenmerk geschenkt hatte, kann man an der digitalen Materialsammlung sehr gut nachverfolgen. Neben einer exemplarischen Sammlung von Klimt-Gemälden und einer Dokumentation der Klimt-Personale, die 1903 in der Secession gezeigt wurde, bietet die Internet-Ausstellung auch Informationen zum Secessionsgebäude sowie Ansichtskarten und Plakate der Künstlervereinigung. Das Herzstück der Kollektion stellt die Serie aller fünfundzwanzig digitalisierten Ausstellungskataloge aus den Jahren 1898 bis 1905 dar.

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Im Vorwort zum ersten Katalog heißt es programmatisch und durchaus sarkastisch: „Nachdem der grösste Theil unseres Publicums bisher in süsser Unkenntniss über die machtvolle Kunstbewegung im Auslande gelassen wurde, waren wir gerade bei unserer ersten Ausstellung bestrebt, ein Bild der modernen Kunst des Auslandes zu bieten, damit das Publicum einen neuen und höheren Massstab für die Bewerthung der heimischen Hervorbringungen erhalte.“

Die Materialen der Website sind sehr gut in einem kompetenten Vermittlungsangebot eingebettet: neben kurz gefassten Erklärungstexten und einer Bibliografie bietet eine Timeline einen guten Überblick über die Entwicklung der Secession und allgemein über die Ereignisse der Zeit.

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Auch auf „Ver sacrum“, die Kunstzeitschrift der Secessionisten, wird auf der Website eingegangen: „Secession members decided to publish a magazine, Ver Sacrum (Sacred Spring), at their first meeting on June 21, 1897. The exhibitions, art- and design-works, exhibition catalogues, and magazine were seen as a Gesamtkunstwerk (total work of art), with the magazine often supplying statistics and sales and recycling images and photographs of the exhibition. Alfred Roller, who designed the cover of the first issue – a stylized red tree against an ochre background – saw the page spaces of Ver Sacrum as analogous to the exhibition spaces. Secession artists supplied 471 drawings, 55 lithographic prints and 216 woodcuts.”

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Eine Digitalisierung der Kunstzeitschrift konnte sich die New Yorker Initiative allerdings ersparen, das Magazin gibt es derzeit in drei verschiedenen Versionen online. Nicht nur die Universitätsbibliothek Heidelberg bietet „Ver sacrum“ an, sondern auch – offenbar zu – unabhängig voneinander zwei österreichische Bundes­institutionen, nämlich die Nationalbibliothek und die Österreichische Galerie Belvedere. Im Gegensatz zu dieser Mehrfachdigitalisierung von Ver Sacrum blieben die Ausstellungskataloge der Secession bisher leider unberücksichtigt – umso verdienstvoller ist daher das aktuelle Projekt „This Kiss to the Whole World“.