Leipzig: 100 Jahre BUGRA

Die Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig (Alle Fotos: B. Denscher)

Vor 100 Jahren fand in Leipzig die „Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“ – kurz BUGRA – statt. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wurde da ein Fest um das Buch abgehalten, wie es Vergleichbares davor und danach nie mehr gegeben hat: Auf dem 400.000 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände stellten 22 Nationen ihre Leistungen im Bereich Buch, Druck und Schrift aus, und nicht weniger als 2,3 Millionen Menschen besuchten die Schau in Leipzig. Die Wiener „Arbeiterzeitung“ schrieb anlässlich der Eröffnung: „Die hohe Aufgabe dieser buchgewerblichen Weltausstellung besteht darin, die wunderbare Entwicklung des Buchgewerbes und der Graphik, ihre enge Verbindung mit dem Fortschreiten der Kultur, ihre gewaltige Bedeutung für alles, was Aufklärung, Bildung und Wissen heißt, im Zusammenhang einmal aufzurollen und gleichsam in einem großen lebendigen Bilde dem Beschauer vorzuführen. So entstand eine Spezialausstellung von weltumspannender Bedeutung, deren volkswirtschaftlicher Wert nicht minder bedeutungsvoll ist, weil ja alle Zweige kultureller Tätigkeit mit Buchgewerbe und Graphik eng zusammenhängen.“ (17.Mai 1914)

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Österreich war auf der BUGRA mit einem eigenen Pavillon vertreten, in dem 126 Aussteller aus dem Bereich der grafischen Industrie und des Verlagswesens ihre Produkte zeigten und der in seinem Inneren von keinem Geringeren als Josef Hoffmann gestaltet worden war. Der angewandten Grafik wurde dabei ein hoher Stellenwert zugemessen: So zeigte unter anderem die „Gesellschaft für Graphische Industrie“ neben Büchern auch Plakate und Akzidenzen nach Entwürfen von Josef von Diveky, Josef Hoffmann, Urban Janke, Moriz Jung, Berthold Löffler, Karl Schwetz oder Eduard Wimmer, „Christoph Reisser’s Söhne“ präsentierte Druckgrafiken von Carl Otto Czeschka, Heinrich Lefler, Joseph Urban oder Rudolf Junk sowie die Reliefkarten von Gustav Jahn, und die lithographische Anstalt „Eduard Sieger“ stellte Plakate, Etiketten, Transparente, Ansichtskarten und Reklamemarken aus eigener Produktion aus.

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Auf das Medium Plakat wurde insgesamt von den Veranstaltern der BUGRA großes Augenmerk gelegt. Der „Verein der Plakatfreunde“ präsentierte auf 800 Quadratmetern rund 700 Plakate aus der Sammlung seines Vorsitzenden Hans Sachs. Die Ausstellung zeigte internationale Arbeiten, der eindeutige Schwerpunkt lag jedoch auf Deutschland, wobei hier wieder die gezeigten Beispiele nach Städten geordnet waren. Die Schau fand große Anerkennung und wurde mit der Goldmedaille der Stadt Leipzig ausgezeichnet. Hans Sachs erinnerte sich später daran: „1914 hatte man mir in der Leipziger ‚Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik‘, kurz „Bugra“ genannt, eine besonders große Halle eingeräumt, um an Hand von 700 Plakaten aller Kulturländer die Entwicklung des Künstlerplakates zu zeigen. Man belohnte mich mit der ‚Großen goldenen Medaille der Stadt Leipzig‘, der zweithöchsten Auszeichnung dieser Ausstellung. Natürlich stellte ich meine Schätze fast immer im Namen des ‚Vereins der Plakafreunde‘ aus, um diesem zu noch größerem Ansehen zu verhelfen, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf das aufblühende Gebiet der Gebrauchsgraphik zu ziehen und dem von mir gesteckten Ziele immer näher zu kommen.“

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Preiswürdig ist auch die aktuelle Ausstellung „Die Welt in Leipzig. Bugra 1914“, die noch bis 24. August 2014 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zu sehen ist. Denn hier wird sehr kompetent und anschaulich die Geschichte dieser „Weltausstellung des Buches“ in ihren bedeutendsten Facetten dargestellt. Ein wichtiges Kapitel ist dabei dem tragischen Umstand gewidmet, dass während der BUGRA, die ein Fest des Geistes und der Völkerverständigung sein sollte, der Erste Weltkrieg ausbrach. Von 6. Mai bis zum Kriegsausbruch im August besuchten rund 2 Millionen Menschen die Ausstellung, bis zur Schließung am 18. Oktober waren es nur noch 300.000.

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Weitere Hinweise:
Faltblatt „Die Welt in Leipzig. Bugra 1914“ (PDF)