Museum Folkwang: DDR-Plakate

Die DDR war ein seltsames Land: Das Regime zeigte sich als perfide und oft auch brutale Diktatur, in der jedoch gleichzeitig die Entwicklung hervorragend kreativer Persönlichkeiten möglich war. Es waren Menschen, die unter schwierigen äußeren Bedingungen eine hohe soziale wie auch schöpferische Kompetenz entwickeln konnten. Besonders deutlich wurden diese beiden Aspekte der DDR im sensiblen Bereich des Grafikdesigns.

Volker Pfüller, An die Luft gesetzt, 1989, Foto Museum Folkwang

Volker Pfüller, An die Luft gesetzt, 1989, Foto Museum Folkwang

Einen repräsentativen Überblick über die Geschichte des DDR-Plakates bietet das Deutsche Plakat Museum im Essener Museum Folkwang mit der Ausstellung „Anschläge von ‚Drüben‘. DDR-Plakate 1949–1990“. Resümierend stellt die Kunsthistorikerin Sylke Wunderlich in dem zur Ausstellung erschienenen Katalog fest: „Plakate der DDR weisen über ihren unmittelbaren Gebrauch hinaus, sie stellen sich als Sinnbilder ihrer Zeit dar, vermitteln sowohl sozialistische Ideale, Wertvorstellungen und Lebensgefühl als auch Geschichts- und Selbstbewusstsein der Gestalter und Konsumenten.“

Die komplexe Entwicklung der DDR-Plakate scheint darüber hinaus die These zu bestätigen, dass man gute Werbung tatsächlich nur für ein gutes Produkt machen könne. Changierte die ostdeutsche Propaganda vielfach zwischen Peinlichkeit und Skurrilität, und lassen sich die Qualitäten der kommunistischen Wirtschaftswerbung heutzutage bestenfalls unter „Ostalgie“ verbuchen, so sind die Kulturplakate der Zeit von einer oft beachtlichen Qualität. Diese formale Sonderstellung entspricht eben auch den herausragenden Leistungen, die in der DDR im Bereich der Künste vielerorts erbracht wurden.

Klaus Vonderwerth, Karikatur als Waffe im Kampf der SED, 1971, Foto Museum Folkwang Klaus Wittkugel, Kunst im Kampf, Plakat zur Ausstellung der deutschen Akademie der Künste, 1962, © 2015 VG-Bild-Kunst, Bonn. Foto Museum Folkwang

Links: Klaus Vonderwerth, Karikatur als Waffe im Kampf der SED, 1971, Foto: Museum Folkwang Klaus, Rechts: Wittkugel, Kunst im Kampf, Plakat zur  Ausstellung der deutschen Akademie der Künste, 1962, © 2015 VG-Bild-Kunst, Bonn. Foto<. Museum Folkwang

René Grohnert, der Leiter des Essener Plakat Museums, weiß in seinem Katalogbeitrag dieses Phänomen noch genauer zu analysieren: „Eine besondere Stellung in der Plakatgeschichte der DDR nehmen die Arbeiten für Kunst und Kultur ein. Waren zunächst Orientierungen an den 1920er und 1930er Jahren zu beobachten, so machten sich in den 1950er Jahren andere Tendenzen bemerkbar. Zum einen wirkte das sowjetische Vorbild (dem man tunlichst zu folgen hatte), zum anderen wurden die Arbeiten nach den Prinzipien des sogenannten Sozialistischen Realismus bewertet. In den 1960er Jahren bildet sich dann – sicherlich auch angeregt durch die Innovationen der Polnischen Plakatschule ab Ende der 1950er Jahre – eine eigene Formensprache heraus.“

Weitere Hinweise:
Museum Folkwang