Fritz Gareis junior

Fritz GareisFritz Gareis, Ausschnitt aus einem Plakat für eine „Ersatzmittel-Ausstellung“, Wien 1918

„Ein starkes Talent, ein fröhlicher Bejaher des Lebens, ein Humorist von Gottes Gnaden“ nannte ihn die „Kleine Volkszeitung“ in ihrem Nachruf im Jahr 1925. Fritz Gareis brachte tatsächlich in seine Zeichnungen meist eine komische Note mit ein. Kein Zufall auch, dass er nicht nur ein gefragter Gebrauchsgrafiker und Illustrator war, sondern ebenso ein Pionier der europäischen Comics-Szene.

Fritz Gareis wurde am 21. Oktober 1872 in Wien als Sohn des gleichnamigen deutschen, aus Görlitz stammenden Malers (1845–1903) geboren. Fritz Gareis junior betätigte sich als Landschafts- und Genremaler, widmete sich aber auch in vielfältiger Weise der angewandten Grafik. So schuf er während des Ersten Weltkriegs unter anderem Spendenmarken, Propagandapostkarten und Plakate. Daneben war er auch als Zeichner für Tageszeitungen und satirische Magazine, wie etwa die „Österreichische Illustrierte Zeitung“, die „Volkszeitung“ oder „Die Muskete“, tätig.

Fritz Gareis, Comic

Götz von Berlichingen, 2.11.1923

Ab 2. November 1923 veröffentlichte Gareis in der linksorientierten satirischen Zeitschrift „Götz von Berlichingen“ die erste österreichische Comicserie, die allgemein als eine der frühesten ihrer Art in Europa gilt. Sie hieß „Bilderbogen des kleinen Lebens“ und war den zum Teil skurrilen Abenteuern der „Familie Riebeisl“ gewidmet, womit die Geschichten auch als eine Art Vorform zu den Family Sitcoms des späteren Fernsehzeitalters gesehen werden könnten. Die Serie wurde rasch so populär, dass sie nach dem frühen Tod von Fritz Gareis im Oktober 1925, nach zweimonatiger Unterbrechung, von Karl Theodor Zelger im ursprünglichen Sinn bis zum Jahr 1934 weitergeführt wurde. Ein Zeichen für die große Akzeptanz der „Riebeisls“ ist der Umstand, dass Gareis die beiden Hauptfiguren auch auf Werbeplakaten für einen Rundfunkempfänger auftreten ließ.

Fritz Gareis, Plakat

Plakat, 1924

Fritz Gareis schuf auch populär gewordene Buchillustrationen, wie etwa für den von August Kopisch verfassten Band „Die Heinzelmännchen“, für „Wiener Sagen“ und „Wiener Märchen“, er arbeitete am „Kriegs Stammbuch der Stadt Wien“ mit und sorgte für den Bilderschmuck zu den Notenausgaben der „Lieder für große und kleine Kinder“. Gerade dieser Illustrationsbereich lässt, so wie auch manche seiner Karikaturen, den Schattenbereich des „Humors“ seiner Zeit deutlich werden. So etwa sprengt das von Gareis für den Stuttgarter „Loewes Verlag Ferdinand Carl“ gestaltete und 1910 erschienene Kinderbuch „Die zwölf Negerlein“ mit seinen „lustig“ gemeinten, aber derb rassistischen Darstellungen alle heutigen Vorstellungen von Political Correctness.

Am 5. Oktober 1925 verstarb Fritz Gareis jun. nach einer kurzen schweren Krankheit in Wien.