Siegfried Mattl (1954 – 2015)

Siegfried Mattl (Foto: B. Denscher)

Einer der profiliertesten österreichischen Historiker ist tot: Siegfried Mattl ist am 25. April nach schwerer Krankheit in Wien verstorben.

Wie weit das Feld der Historiographie reichen kann, das hat Siegfried Mattl in seiner Arbeit immer wieder bewiesen. Von der Arbeitergeschichte, über die Politik des 20. Jahrhunderts zu Kulturwissenschaft und Kulturforschung, von der „Visual History“ bis zu den Digital Humanities führte ihn sein konsequenter, immer neuen Ideen aufgeschlossener Weg. Sein zu früher Tod reißt eine schmerzliche Lücke in das österreichische Geistesleben.

Siegfried Mattl wurde am 26. Februar 1954 im steirischen Mürzzuschlag geboren. Von 1972 bis 1980 studierte er Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Wien. Seit 1986 war Mattl als Lektor, seit 1996 als Dozent am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien tätig. Als Lehrender waren dabei seine Schwerpunkte vor allem Methoden und Theorien der Historiographie sowie Stadt- und Kulturgeschichte.

1996 wurde Siegfried Mattl gemeinsam mit Erika Weinzierl und Oliver Rathkolb Ko-Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Gesellschaft, 2005 dann dessen alleiniger Leiter. Ab 1997 war er „corresponding editor“ der „International Review of Social History“. Im Jahr 1998 begann er gemeinsam mit dem Wiener Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften, dem German Department der Universität Berkeley, dem Germanistischen Institut der Universität Tübingen und der Harvard University mit dem Aufbau des internationalen Forschungsprojektes „btwh – emergence of modernity“. Darüber hinaus war Siegfried Mattl Kurator vieler zeit- und kulturgeschichtlicher Ausstellungen sowie Autor zahlreicher Publikationen vor allem über die Wiener Moderne, über Medienentwicklung, Urbanismus und Filmgeschichte. In den letzten Jahren legte er besonders in Zusammenhang mit seinen Filmforschungen einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf den Bereich der „Visual History“. Auch dabei bewies er sein lebenslanges Interesse an verschiedenen Aspekten der Populärkultur, so auch an historischer Reklame.

Sowohl als Lehrer als auch als Forscher war Siegfried Mattl ein Förderer und freundlicher Ermöglicher, der stets die Sache über seine persönlichen Interessen stellte. Auch dem Projekt AUSTRIAN POSTERS war er positiv zugetan: 2013 verfasste er dafür eine ausführliche Besprechung über den Ausstellungskatalog „Ikone Karl Marx. Kultbilder und Bilderkult“, Beiträge über österreichische Werbefilme waren in Planung