Friedrich Forssman: Ästhetik des Buches

Buchhandlung in Wien (Foto: B. Denscher)

Ist es eine Gegenbewegung gegen die allzeitige Verfügbarkeit von Texten, auf die nüchterne elektronische Vermittlung? Diese Frage sei einmal an den Anfang der Präsentation eines Buches über das Gestalten von Büchern gestellt. Es steht in einer Reihe, die sich mit der Ästhetik des Buches befasst und in der verschiedene Autoren „den einzigartigen ästhetischen, kulturellen und wahrnehmungspsychologischen Qualitäten des gedruckten Buches“ auf den Grund gehen. Da ist von „Optik, Haptik und Formgebung, seinen Funktionen und Wirkungen“ die Rede und man will sich auf Vorteile konzentrieren, auf sinnliche sowohl als auf lesetechnische. Die Vorteile wem gegenüber? Das muss gar nicht ausgesprochen werden.

Ein glücklicher Buchgestalter spricht in diesem schmalen, wunderschön gemachten Büchlein zu uns. Friedrich Forssman, 1965 geboren, ist sowohl Praktiker – immerhin hat er eine Schriftsetzerlehre absolviert – als auch nach einem Grafikdesign-Studium mit der Theorie vertraut. Seit 1990 gestaltet er Bücher und Ausstellungen und gibt sein Wissen auch in Fachpublikationen weiter. In dem nun vorliegenden kleinen Buch – er gibt zu, dass er sich über kleine, bescheidene Bücher freut, die viel mehr zum Lesen einladen als Prachtbände – in diesem Büchlein vermittelt er nun all das, was ein bibliophiler Laie zum Thema Buchgestaltung wissen sollte. Insofern gehörte der Band „Wie ich Bücher gestalte“ eigentlich in jede Bibliothek.

Weil da zuvor vom Glück die Rede war: Am Anfang von Forssmans Ausführungen steht, dass dieses Glück im Annehmen der Überlieferung zu finden sei. Leser seien konservativ, wollten nicht verwirrt werden. Willkür soll vermieden und Erwartungen sollen erfüllt werden, hin und wieder wären aber auch Unbequemlichkeiten zuzumuten. Auch wenn man mit dieser Aussage vorerst einmal nicht einverstanden ist, wird man dem Autor – im Laufe seiner Ausführungen – doch beistimmen. Er gliedert das Buch ganz klar in vier Abschnitte, lässt auf das Allgemeine das Besondere folgen und auf das Innere das Äußere.

Und in all diesen Abschnitten verbindet er sehr klug Information mit persönlicher Meinung. So sieht er die Rolle des Gestalters nicht als die eines Autors, sondern als solche eines Interpreten, dem ein enger Rahmen gesetzt ist. Man wird also Wissen ansammeln können über Schrift und Satz, Typographie und Steg, Kolumnentitel und Überschriften, wenn‘s ums Innere geht und über Bindung, Heftung, Umschlag und Einband beim Äußeren. Er konfrontiert einen aber auch mit Feststellungen, über die man – auch als begeisterter Leser – so noch gar nicht nachgedacht hat, dass nämlich, zum Beispiel, Lesen und Sehen im Widerspruch zueinander stünden: „Wenn wir lesen, sehen wir die Gestaltung nicht…Andererseits muß die Gestaltung dem Betrachten beim Beginn der Lektüre oder beim Anblättern vor dem Kauf im Laden standhalten.“

Womit Forssman aber fasziniert, sind seine Beschreibungen, die ich mit denen von Sommeliers vergleichen möchte. So lobt er an einem Titel, dass er sich „mühelos in drei leichte, schwebend-stabile Zeilenfälle“ fügt. Kritisch kann er sich über Schriften äußern, diese „etwas spitz und scharf, in der Anwendung nicht sehr gutmütig“ finden, oder aber „fleckig, überscharf, unangenehm“, andrerseits wieder beim Betrachten einer Doppelseite deren „Klang, Mühelosigkeit und Rhythmus“ bewundern. Dem Gestalter merkt man an, dass er stolz auf das ist, was er gemacht hat, er lässt einen aber auch wissen, was ihn bei anderen beeindruckt. Die Quintessenz des Buches ist wohl in dem Satz zu finden: „Ein Buch ist schön, wenn die Gestaltung zum Inhalt passt.“ Forssman hängt dann aber noch ein paar Aussagen an, über deren – nahezu fundamentalistische – Essenz es sich dann wieder nachzudenken lohnt. So zitiert er den Ungarn György Horváth, der die Auffassung bestreitet, dass die typographische Form „das Kleid des gedruckten Worts“ sei, vielmehr meint er, dass die Typographie die Knochen und das Fleisch des gedruckten Worts bilde. Das letzte Wort überlässt Friedrich Forssman dem niederländischen Buchmacher Huib van Krimpen: „Ein Buch ist erst ein Buch, wenn es ein Buch geworden ist.“

Forssman, Friedrich: Wie ich Bücher gestalte. Ästhetik des Buches, Göttingen 2015.