Bekannte Unbekannte, Niemann und Keith Haring

Christoph Niemann, Design and Violence, 2013, Animierte Antwort auf Yosuke Ushigomes „Commoditised Warfare“, Mixed media, © Christoph Niemann

Was bringt das Jahr 2016 in den Bereichen „Visual History“ und „Geschichte des Grafikdesigns“? Das „Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg“ wird auch in diesem Jahr – so wie schon 2015 – wesentliche Akzente in den genannten Themenbereichen setzen: Vom 20. Jänner bis zum 10. April präsentiert es jene Ausstellung über den herausragenden Illustrator Christoph Niemann, die voriges Jahr im Wiener „Museum für angewandte Kunst“ zu sehen war. Für Mai bis September ist die vielversprechende Präsentation „Hokusai und Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ angekündigt. Von September 2016 bis Jänner 2017 folgt der – präsumtive – Quotenhit „Keith Haring.Posters“.

Das „Deutsche Plakatmuseum“ im Essener „Museum Folkwang“ wird vom 18. März bis zum 16. Mai die Schau „Rottke & Scheer. Theater als Produkt“ zeigen. Dabei wird eine Auswahl der vielen Plakate zu sehen sein, die Helmut Rottke und Reinhold Scheer für das Theater erarbeitet haben. Im Juni und Juli steht die Ausstellung „Schriftbilder – Bilderschrift. Chinesisches Plakat- und Buchdesign heute“ auf dem Programm. Die Schau wird einen Einblick in die Entwicklung des chinesischen Grafikdesigns seit 1995 geben und dabei die wichtigsten Entwerfer aus China vorstellen. Für die Zeit von 9. Dezember 2016 bis 19. Februar 2017 ist dann eine Werkpräsentation des österreichischen Künstlers Emil Siemeister unter dem Titel „Vom Rufen zum semiotischen Fallenstellen“ vorgesehen. Gezeigt werden jene Arbeiten von Siemeister, bei denen er einen Teil seiner Plakate so überarbeitet hat, dass aus jedem Serienblatt ein eigenständiges Original entstand.

© Wien Museum

© Wien Museum

Das „Wien Museum“ wird Ende des Jahres unter der neuen Leitung von Matti Bunzl eine längst fällige Schau über Robert Haas zeigen. Das Museum erwarb vor kurzem den Fotonachlass von Haas und kann somit dessen bemerkenswertes fotografisches Oeuvre erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Zu hoffen ist allerdings auch, dass die ebenso überragenden Leistungen von Haas auf den Gebieten der Typografie und des Grafikdesigns nicht unterbelichtet bleiben.

Auf der niederösterreichischen Schallaburg – rund eine Fahrtstunde westlich von Wien – wird von 19. März bis 6. November die Rückschau „Die 70er – Damals war Zukunft“ gezeigt. Die hohe Qualität der bisherigen Präsentationen im schon an sich sehenswerten Renaissanceschloss lässt eine interessante Auseinandersetzung mit dieser spannenden Epoche erwarten. Dabei wird die Populärkultur der Zeit auch ein essentieller Bestandteil der Darstellung sein.

Foto: © Jessy Maier

Foto: © Jessy Maier

Im Schweizer „Triest Verlag“ ist eben erst der bibliophil gestaltete und inhaltlich überaus interessante Band „Bekannte Unbekannte“ von Nora Stögerer erschienen (ausführliche Besprechung folgt).

In der Fülle der 2016 zu erwartenden Spezialliteratur zum Thema Grafikdesign sind darüber hinaus einige besonders spannende Publikationen angekündigt: So bereitet das MAK Wien unter der Leitung von Kathrin Pokorny-Nagel ein Buch über die grafischen Ephemera der reichhaltigen Sammlung des Museums vor. Geplanter Titel: „EPHEMERA: Die Gebrauchsgrafik in der Kunstblättersammlung des MAK“. Der Bogen reicht dabei von der Anzeigenwerbung über Briefpapiere, Glückwunschkarten, Prospekte, Speisekarten bis zu Reklamemarken und Visitenkarten.

Der Steidl Verlag, der auch die Kataloge des „Deutschen Plakat Museums“ in seinem Programm hat, plant die Produktion des von Sergius Kodera und George Lebzelter herausgegebenen Bandes „Post no Bills: Das Medium Plakat zwischen Kunst und Kommerz“. Die beiden Herausgeber erläutern in ihrem gemeinsamen Vorwort das Ziel des Buches: „Der vorliegende Band untersucht diese produktiven Spannungsverhältnisse, wie sie die Plakatgestaltung von Beginn an prägen: Kunst und Kommerz, Unikat und kurzlebige optische Massenware, autonome und angewandte gestalterische Tätigkeit. Um diesem vielschichtigen Thema gerecht werden zu können, findet man hier in handlichem Format und überschaubaren Umfang Texte und Bilder, die verschiedenste Aspekte herausgreifen und behandeln.“