Sylvester Lička

Sylvester Lička, Design für die KundInnenzeitschrift „Die neue Linie“

„Vom Gebrauchsgrafiker zum Art Director“ heißt der Untertitel der neuesten Publikation aus der Serie „/design/er/leben/“ über die österreichische Grafikerlegende Sylvester Lička. Verfasser des lesenswerten Porträts ist Christian Maryška, der damit den Werdegang eines wichtigen Repräsentanten  des österreichischen Grafikdesigns kompetent dokumentiert.

Sylvester Lička wurde 1925 in Wien geboren und übersiedelte  einige Zeit später mit seiner Familie nach Graz. Nach einem kurzzeitigen Kunstgeschichtestudium und dem Militärdienst begann Lička in der Wiener „Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ sein Studium, das er in der Meisterklasse 1949 abschloss. Im selben Jahr noch übersiedelte er nach Hard in Vorarlberg, wo er mit seinem Studienkollegen Othmar Motter das Atelier „Vorarlberger Graphik“ gründete. Wegen des hohen kreativen Potenzials der beiden Grafiker und nicht zuletzt aufgrund der guten Auftragslage im äußersten Westen Österreichs hatte das Studio von Beginn an große Erfolge zu verzeichnen.

Weihnachtskarte, 1953

Weihnachtskarte, 1953

Doch obwohl die „Vorarlberger Graphik“ bald hohe Anerkennung genoss,  entschloss sich Sylvester Lička nach einigen Jahren, die Selbständigkeit aufzugeben. 1955 nahm er das verlockende Angebot an,  Werbeleiter bei der Textilfirma „F. M. Hämmerle“ zu werden. Es war wohl nicht nur die wirtschaftliche Sicherheit, die ihn zu diesem Schritt bewog, sondern auch das breite Aktivitätsspektrum, das ihn bei „F. M. Hämmerle“ erwartete. Sein Tätigkeitsbereich wurde folgendermaßen beschrieben: „Herr Lička hat die Aufgabe, eine planmäßige Werbung für die Firma F. M. Hämmerle im In- und Ausland aufzubauen. In sein Ressort fällt alles, was irgendwie mit Reklame oder Werbung zu tun hat, also Inserate, Plakate, Werbefilme, Tondiapositive, Reklamefotos, Ausstellungen, Messen, Werbebroschüren, Einschaltungen in Büchern, Marktforschung und Marktanalyse, Radioreportagen, Beteiligung an der Textilredaktion, Aufsteller, Anhänger, Drucksorten, Zeitungsartikel, Verpackung, Adjustierung usw.“

Noch im Jahr seiner Anstellung bei „F. M. Hämmerle“ eröffnete sich für Sylvester Lička mit der Gründung der KundInnenzeitschrift „Die neue Linie“ eine besonders reizvolle gestalterische Aufgabe. Bis 1970 erschien das Magazin für Textilien und Mode mit einer Auflage von bis zu 100 000 Exemplaren. Das gestalterische Konzept war dabei auf der Höhe der internationalen Design- und Modeentwicklung.

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1962 konnte Sylvester Lička den prominenten italienischen Modeschöpfer Emilio Schuberth, der unter anderem zu den Ausstattern von Rita Hayworth, Ingrid Bergman und Brigitte Bardot gehörte, zu einer Mitarbeit an der Zeitschrift gewinnen – ein Coup, der „F. M. Hämmerle“ einen besonderen Publicityschub bescherte.

Allmählich begann sich Lička – wie viele seiner Zunft – mit Kunst abseits der Werbung zu beschäftigen. 1970 schuf er seinen ersten Bildteppich, weitere folgten, 1993 kam es zu einer repräsentativen Ausstellung seiner Arbeiten im „Österreichischen Theatermuseum“ in Wien.

Christian Maryška liefert mit dem lesenswerten Band eine – soweit es der zur Verfügung stehende Platz erlaubt – detaillierte Biografie von Sylvester Lička, ohne die allgemeinen Rahmenbedingungen dieser Berufskarriere aus den Augen zu verlieren: „Es ist ein paradigmatischer Lebenslauf“, so der Autor, „für den Transformationsprozess von der Gebrauchsgrafik – in den Zeiten, als man diese noch mit «ph» schrieb – zur visuellen Kommunikation. Sylvester Lička war einer der wenigen, der als Gebrauchsgrafiker begann und als Art bzw. Creative Director einer unternehmenseigenen Werbeagentur seine Berufslaufbahn beendete – und in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit auch die Etablierung der neuen Berufsbezeichnung als Grafikdesigner miterlebte.“

Maryška, Christian: Sylvester Lička. Vom Gebrauchsgrafiker zum Art Director, Wien 2015 (=/design/er/leben/, 14. Bd).