Theater als Produkt

Rottke Werbung, Schauspiel Essen, 1999/2000, Ausschnitt (Foto: Museum Folkwang)

Gestalterische Qualität im Bereich der Werbung scheint sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor allem im Kulturbereich zu manifestieren. Dies demonstrieren neben dem jährlichen Contest der „100 besten Plakate“ auch Ausstellungen wie die aktuelle Präsentation der Züricher Opernplakate und nun auch die neu eröffnete Schau des Deutschen Plakat Museums, die den Titel „Rottke & Scheer – Plakate. Theater als Produkt“ trägt.

Rottke Werbung, Staatstheater Stuttgart, 1990/91

Rottke Werbung, Staatstheater Stuttgart, 1990/91

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Rottke Werbung, Düsseldorfer Schauspielhaus 1988/89, Siebdruck (Alle Fotos: Museum Folkwang)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gezeigt werden in der Essener Ausstellung Plakate, die unter kommerziellen Prinzipien für verschiedene deutsche Theater warben, jedoch auf einem Niveau, wie es die Wirtschaftswerbung nur sehr selten erreicht – was eigentlich ein Paradoxon darstellt: „Was die Plakate so besonders macht“, so Tobia Bezzola und René Grohnert in ihrem gemeinsamen Katalogvorwort, „ist das eigenwillige Verhältnis von Text und Gestaltung, mal mit, mal ohne Bild. Manchmal tritt die Gestaltung scheinbar hinter das geschriebene Wort zurück, manchmal scheint das Wort in Konkurrenz zum Bild zu stehen – in jedem Fall wird ein Spannungsbogen geführt, der den Betrachter mitdenkt, seine Reaktion einbezieht und Ablehnung ebenso provoziert wie Zustimmung organisiert.“

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Rottke Werbung, Schauspiel Essen, 1999/2000

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Rottke Werbung, Staatstheater Stuttgart 1988/89

Der Grafiker Helmut Rottke hat in kongenialer Zusammenarbeit mit dem Texter Reinhold Scheer über Jahrzehnte hinweg für rund zwanzig Kultureinrichtungen, wie Theater oder Festivals, wegweisende Kampagnen erarbeitet. Immer wieder fanden die beiden dafür neue Ansätze, stets zweck-, das heißt hier produktorientiert, nie sich wiederholend und langweilig, immer wieder sympathisch frech und humorvoll.

Die Plakate des Teams „Rottke & Scheer“ waren bereits bei vielen internationalen Präsentationen vertreten, nun widmet ihnen das Deutsche Plakat Museum die erste große Einzelausstellung in Deutschland – zu sehen bis 16. Mai 2016 im Museum Folkwang. Wer nicht anreisen kann, dem sei der hervorragende, bei Steidl erschienene Katalog zur Lektüre und Betrachtung empfohlen.

Weitere Hinweise:
Museum Folkwang