Dornbirn: Die schönsten Bücher Österreichs

Seit 1952 werden jährlich die 15 schönsten Bücher Österreichs für ihre gestalterische, konzeptionelle und herstellerische Qualität ausgezeichnet, drei von ihnen erhalten Staatspreise. Sinn und Zweck dieser Auszeichnungen ist es vor allem, „diesen wichtigen Teil der Buchproduktion an die Öffentlichkeit zu bringen und ihm die Anerkennung zu verschaffen, die ihm gebührt“.

Vorerst einmal die Fakten, das Prozedere und die Kategorien: Allgemeine Literatur, Allgemeine Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher, Kunstbände, Lehr- und Schulbücher und Sonderproduktionen. Eine Vorjury beurteilt nach den Kriterien Satz, Reproduktionen, Druck und Papier und buchbinderische Verarbeitung, bevor die Hauptjury Konzeption und Gestaltung bewertet. Die Jury setzt sich aus Gestaltern, Journalisten, Repografen, Buchhändlern, Verlegern, Buchbindern und Druckern zusammen.

Und nun zum Sinnlichen: zu den schönsten Büchern des Jahres 2015 und da zuerst zu den drei Staatspreisen. „Nowhere Men“ nennt Christoph Miler seine sechs literarischen Protokolle über die Erfahrungen illegaler Migranten. Auf aschfahlem Papier wird mit „simplen, strikt in schwarz-weiß gehaltenen Mitteln ein spannungsgeladener Sog erzeugt.“ „Nowhere Men“ wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Schönste Bücher der Welt“, der heuer auf der Leipziger Buchmesse stattfand, auch mit der Bronzemedaille ausgezeichnet: „Ein bedenkenswertes Buch, eine künstlerische Momentaufnahme“, war da ein Satz aus der Jurybegründung.

In der Kategorie Allgemeines Sachbuch wurde ein Staatspreis an „Die Welt im Spiel“, einen Atlas der spielbaren Landkarten von Ernst Strouhal, vergeben. Dieses „umsichtig durchdachte Gesamtkunstwerk“ sei „eine Zelebration des Medium Buchs sowie Manifestation der Möglichkeiten, die nur dieses Medium bietet“.

Der dritte Staatspreis ging an den Ausstellungskatalog „Fäden der Macht“, in dem Tapisserien des 16.Jahrhunderts aus dem Kunsthistorischen Museum gezeigt werden: „Die äußerst fragile Sammlung an Wandbehängen wurde durch die Fotografien im Buch eingefangen.“

Ausstellungskataloge sind auch bei den anderen zwölf ausgezeichneten Büchern zu finden, weiters ein Kinder-, ein Architektur- und ein Künstlerbuch und schließlich als Sonderproduktion, die nicht in den Handel geht, eine Diplomarbeit mit dem Titel „aufzeichnen“. Diese „auch haptisch eindrucksvolle Produktion“ zeige – indem es die Erlebnisse eines Kindes in der Mühl-Kommune behandle – „was ein Buch auch sein könne, ein intimer Einblick auch auf die dunkle Seite des Lebens“.

Da war zuvor die Rede davon, dass diese schönen Bücher an die Öffentlichkeit gebracht, dass ihnen Anerkennung wiederfahren solle. Diese Präsentation liegt nun seit vorigem Jahr beim Designforum. Dort hat man aus den Erfahrungen des Vorjahres gelernt, damals legte man die Bücher auf hüfthohe Podeste, zu denen man dann kurzfristig noch Sitzgelegenheiten schuf, erzählt Bettina Steindl vom Designforum Wien. Bei der heurigen Präsentation hatte sie Bibliotheken im Kopf, mit ihren langen Tischen und den intimen Lampen. So ließ sie eine lange Tafel bauen. Im Sinn des sorgsamen Umgehens mit Ressourcen waren das einfache bunte, alte Holzplatten, die auf Metallgestelle gelegt wurden. Auf dieser Tafel wurden die Bücher – wie auf einem Esstisch – platziert, so dass sich jeder Besucher zu einem Buch setzen, dieses in Ruhe betrachten und dann einen Sitz weiterrücken konnte zum nächsten Buch. So blieben die Bücher immer am Platz liegen und wurden dadurch auch geschont. Die Bücher der Longlist wurden – davon abgesetzt – auf Stehtischen gemixt aufgelegt, wobei dort auch Sitzgelegenheiten vorhanden waren. So gestaltete man die Ausstellung der schönsten Bücher im Designforum Wien. Im Designforum Vorarlberg in Dornbirn, wo die Bücher vom 21. April bis zum 6. Mai zu sehen sind, lehnte man sich an diese Idee aus Wien an, stellt nun den bei der Ausstellung „Handwerk+Form“ ausgezeichneten Klapptisch „Taktak“ hin und Stühle, die auch aus der Tischlerei Mohr stammen. Die Bücher der Longlist, die heuer zum ersten Mal in Vorarlberg hergezeigt werden, sind auf einer zweiten Tafel an der Wand zu besichtigen.

Im Rahmen der Ausstellung wird am 28. April der mehrfach ausgezeichnete Buchgestalter Kurt Dornig zum Thema „Wozu Buchgestaltung?“ reden und da anhand von Beispielen belegen, dass ein professioneller Umgang mit den Stilmitteln der Buchgestaltung, insbesondere der Typografie, entscheidenden Einfluss auf die Vermittlung des Inhaltes nimmt. Im zweiten Teil wird er sich zuerst dem philosophischen Begriff der Schönheit widmen, um dann aber ganz konkret von seinen Erfahrungen als Mitglied der Jury bei den Wettbewerben „Schönste Bücher Deutschlands“ und „Schönste Bücher aus aller Welt“ zu berichten.

Weitere Hinweise:
designforum Vorarlberg
Schönste Bücher