Margit Doppler

Margit DopplerResch, Heidelinde: Margit Doppler, Detail aus dem Cover

Margit Doppler ist wohl eine der interessanten Persönlichkeiten in der Geschichte des österreichischen Grafikdesigns. Heidelinde Resch, die schon die verdienstvolle Studie „14 Grafikerinnen im Wien des 20. Jahrhunderts“ vorgelegt hat, widmet nun den 13. Band der Monografien-Reihe „/design/er/leben/“ dieser bemerkenswerten Künstlerin.

Margit Doppler wurde am 21. Jänner 1909 als Margit Sidonie Kováts in Wien geboren. Bereits früh zeigte sich ihr zeichnerisches Talent, und so konnte sie von 1923 bis 1926 die „Graphische Lehr- und Versuchsanstalt“ in Wien besuchen, wo ihre Lehrer unter anderem Wilhelm Wodnansky, Erwin Puchinger und Rudolf Larisch waren. 1926 trat Margit Kováts in das renommierte „Atelier Pollak“ ein, das besonders im Bereich der Filmplakate einen guten Namen hatte. Im selben Jahr aber verließ sie die Firma wieder und gründete gemeinsam mit Hugo Brod und Anton Ziegler das Grafikstudio „Trio“, das sich ebenfalls auf die Filmindustrie spezialisierte. Dieses Unternehmen hielt sich jedoch nur zwei Jahre, danach folgte für Margit Kováts ein kurzes Intermezzo im Atelier Binder, bis sie im Jahr 1929 wieder in die Selbständigkeit als Grafikdesignerin zurückkehrte.

In dem Jahr begann auch ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Süßwarenproduzenten E. Kirstein. Für diese Firma belebte Kováts die davor nur statisch dargestellte Werbefigur, das sogenannte „Blockmalz-Männchen“, in vielfältiger Weise, wie Heidlinde Resch in ihrer Monografie darlegt: „Zeitgleich mit der ‚Erweckung‘ des Kirstein-Blockmalz-Männchens zum Leben wurde auch die Werbelinie ausgebaut und dynamischer gestaltet. Margit Kováts entwickelte die Verpackungen ebenso wie die Motive für die Autos und Lieferwägen, die Plakate und einen Messestand.“

1935 heiratete Margit Kováts den Techniker Franz Doppler und zeichnete fortan unter dem neuen Namen ihre Arbeiten, nachdem sie aufgrund bürokratischer Wirrnisse eine Zeit lang mit Kovács signiert hatte, was die Rezeption ihres umfangreichen Werkes nicht gerade erleichtert hat.

Nach einem längeren, berufsbedingten Aufenthalt in Istanbul wurde Franz Doppler während eines Heimaturlaubes im Jahr 1940 von der Gestapo wegen „Herabsetzung des Deutschen Reiches im Ausland“ verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht, das er erst zwei Jahre später wieder verlassen konnte. Erst nach dem Krieg konnte Margit Doppler ihren Beruf als Grafikerin wieder weiterführen: neben ihrer Arbeit für die kommerzielle Werbung wandte sie sich zusätzlich verstärkt dem Zeitschriftendesign sowie der Illustration von Kinderbüchern zu. Anlässlich ihres 90. Geburtstages wurde ihr Lebenswerk mit zahlreichen Ehrungen und einer Ausstellung gewürdigt. Am 27. November 2001 verstarb Margit Doppler nach einem erfolgreichen und von herausragender Kreativität gezeichneten Leben in Wien.

Heidelinde Resch stellt die Biografie der – wie sie schreibt – „österreichische[n] Pionierin moderner Werbegrafik“ in kompetenter und lesenswerter Weise dar. Dass die Autorin die beiden Interviews, die Christian Maryška 1998 und der Autor dieser Zeilen im Jahr 1999 mit Frau Doppler geführt und auf AUSTRIAN POSTERS veröffentlicht haben, für ihre Darstellung herangezogen hat, ist sehr erfreulich und auch ein Beweis für die Sinnhaftigkeit der Weiterführung dieses Projektes.

Resch, Heidelinde: Margit Doppler. Zeichnen um zu leben, Wien 2015 (=/design/er/leben/, 14. Bd).