Chinesisches Plakat- und Buchdesign

Jianping He, OlympiaplakatDetail aus dem Olympiaplakat 2008 von Jianping He, © Jianping He, 2016, Foto: hesign, Berlin

„Haibao“, das chinesische Wort für Plakat, bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „über den Seeweg eingeführte Informationsblätter“. Der Begriff sagt damit auch viel über das Bezeichnete und dessen Geschichte aus, nämlich vor allem, dass das Medium ursprünglich als etwas in China Fremdartiges betrachtet wurde. Dass dies heutzutage nicht mehr so ist, sondern das chinesische Grafikdesign ein hervorragendes Niveau erreicht hat, darüber kann man sich in der aktuellen Ausstellung des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang überzeugen. In der Schau „Schriftbilder – Bilderschrift. Chinesisches Plakat- und Buchdesign heute“ werden mit 108 Plakaten und 54 Büchern Spitzenarbeiten chinesischer Designer aus den letzten zehn Jahren präsentiert.

Chiii Design (Mann Lao + Nono Leong), Cantonese Opera Day, 2012, Tag der kantonesischen Oper, Macao, © Chiii Design, 2016, Foto: hesign, Berlin

Chiii Design (Mann Lao + Nono Leong),
Cantonese Opera Day, 2012, Tag der kantonesischen Oper, Macao, © Chiii Design, 2016, Foto: hesign, Berlin

China, Plakat

Rogerer NG, Civil-Poster, 2010-2015
(aus der Serie Civil-Poster) Hong Kong, © Rogerer NG,
2016, Foto: hesign, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Konzeption zu dem Projekt stammt von René Grohnert, Ping Chen und von dem chinesisch-deutschen Grafiker und Designhistoriker Jumping He (auch Jianping He). Der Letztgenannte, der auch als Herausgeber und Gestalter des exzeptionell schönen Kataloges fungiert, sieht in seinem Textbeitrag zu der Publikation zwei Höhepunkte in der Geschichte der chinesischen Plakatkunst: „Nachdem im Anschluss an die Opiumkriege Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Plakate nach China gelangt waren, erreichte sie in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ihre erste Hochphase, in der kommerzielle Botschaften ihren Hauptinhalt bildeten.“

Den zweiten Höhepunkt in der Plakatentwicklung setzt der Designhistoriker mit der politischen Propaganda der 1960er Jahren während der Kulturrevolution unter Mao Zedong an.

China. Plakat

Guang Yu, HKDA Asia Design Award, 2009,
Hong Kong, © Guang Yu, 2016, Foto: hesign, Berlin

Olympiade Peking Plakat

Jianping He, Olympia 2008, 2008, Schweiz © Jianping He, 2016, Foto: hesign, Berlin

Angesichts der in der Ausstellung gezeigten hohen grafischen Qualität der neueren Plakate und Bücher, ist man geneigt, einen dritten Höhepunkt in der Entwicklung des chinesischen Grafikdesigns zu verorten, nämlich in der überaus lebendigen gegenwärtigen Szene. René Grohnert fasst in seinem Katalogbeitrag die aktuelle Situation treffend in folgender Weise zusammen: „Längst ist diese Qualität Teil einer prosperierenden Designindustrie, die in China stark gefördert wird und selbst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden ist. Die Impulse, die hier in den letzten rund zehn Jahren zu spüren waren, werden uns auch noch in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen. Umso wichtiger scheint es, eine Bilanz des Bisherigen zu ziehen, um einen wichtigen Moment dieser Entwicklung erstmalig in dieser umfassenden Form zu dokumentieren.“

Weitere Hinweise:
Museum Folkwang