Kurt Dornig: Wozu Buchgestaltung?

Buchgestaltung Kurt DornigDie Abbildungen beziehen sich auf „Paul Theroux: Basar auf Schienen (=Die Andere Bibliothek) 2015“, gestaltet von Kurt Dornig

Kurt Dornig ist Buchgestalter, Jurymitglied bei Bewerben, in denen es darum geht, die schönsten Bücher Deutschlands – und die aus aller Welt – auszuzeichnen. Dornig hat im Rahmen der Präsentation der schönsten Bücher Österreichs in Dornbirn einen Vortrag zum Thema „Wozu Buchgestaltung?“ gehalten. Die wesentlichen Punkte dieses Vortrags wurden nun – mit Einverständnis des Autors – für Austrian Posters herausgearbeitet.

Dornig hält gleich zu Beginn fest, dass ein Buch in unserem Kulturkreis seit annähernd 1200 Jahren gleich aussehe, dazu auch nicht besonders tolerant wäre, also keine großen formalen Abweichungen zulasse, Buchgestaltung daher naturgemäß eher konservativ sei. Dazu zitiert er den französischen Lyriker und Philosophen Paul Valéry, der schon 1926 schrieb: „Ein schönes Buch ist eine vollkommene Lesemaschine…und gleichzeitig ist es ein Kunstgegenstand, ein Ding…das hohes Bemühen um eine ausgewogene und bewußte Ordnung verrät.“

Und 1930 legt die englische Typographin Beatrice Ward in ihrem Vortrag „The Christal Goblet“ die Richtschnur für gute Buchgestaltung, wenn sie sagt, dass ein Buch ruhig schön gestaltet und prunkvoll sein dürfe, es trotzdem ausschließlich dazu diene, den Inhalt zu vermitteln. Dennoch gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die sich dem Buchgestalter heutzutage bieten: „Drei Formate, sehr viele gängige und sinnvolle Größenverhältnisse, ebenso viele Möglichkeiten der Gestaltung der inneren Proportionen, hunderte von Schriften, eine unüberschaubare Anzahl an Papiersorten und viele Druck-, Veredelungs- und Bindetechniken“. Und weil es so viele Möglichkeiten gibt, „sieht in Wirklichkeit auch kein Buch aus wie das andere, sind Bücher so individuell wie Gesichter.“

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Und nun stellt Dornig einige Kernfragen: Nach welchen Gesichtspunkten geht man als Gestalter vor? Welche Kriterien sind entscheidend? Wonach kann man sich richten? Wozu dient Buchgestaltung? Und was haben AutorInnen und LeserInnen davon? Dornigs Lösungsansatz lautet: „Bücher müssen aus dem Inhalt heraus gestaltet werden!“ Folgende Punkte müssten im Sinne des Inhalts recherchiert, geprüft, konzipiert und gestaltet werden: Größe – Format – Raster – Schrift – Papier – Druck – Bindung. Über all dem stünde, wie mit diesen Punkten umgegangen werden muss, um den Inhalt bestmöglich zu transportieren. So stellt er fest, dass zum Beispiel „Inhalte durch unsachgemäße Anwendung von Typografie verfälscht werden oder zumindest das Verständnis für das Gelesene darunter leidet.“

Kurt Dornig macht auch auf die Bedeutung von Farbe aufmerksam, die seiner Meinung nach oft unterschätzt werde. Ganz besonders interessant wird es, wenn er den Buchkörper, „die dritte Dimension der Literatur“, zum Gegenstand seiner Überlegungen macht. Er macht den Schritt von der Papierfläche über den Vorgang des Blätterns hin zur Dreidimensionalität des Mediums, die dann besonders deutlich wird, wenn man vor einem Buchregal steht. Folgerichtig kommt er dann darauf, dass das gut gemachte analoge Buch das digitale Lesemedium übertreffe. Da zitiert er dann auch Uwe Jochum, und zwar aus dessen Buch „Medienkörper – Wandmedien, Handmedien, Digitalia“, dass die „schöne, neue Digitalwelt zu nichts Geringerem als zum Verlust von 5000 Jahren Medien- und Kulturgeschichte führe“. Kurt Dornig zeigt am Schluss seiner Ausführungen die zwei Richtungen auf, in die die Entwicklung geht: Das digitale Lesen nimmt unbestritten zu, dennoch gibt es noch immer sehr viele Buchmenschen. „Wohin sich das alles entwickelt, ist derzeit noch nicht absehbar. Möglicherweise geht es bei der Buchgestaltung jedoch um nichts Geringeres als um den Erhalt des Mediums Buch an sich und damit um die Bewahrung eines wichtigen Teils unserer universellen kulturellen Identität.“

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