„Sind Plakate Kunst?“

Ausstellungsansicht (Foto: René Grohnert)

Kunst und Plakat sind zwei Begriffe, die vom Entstehen des Mediums Plakat an einem immer wieder neu aufgenommenen Diskussionsprozess unterworfen waren. Das Deutsche Plakat Museum liefert derzeit mit der Ausstellung „Emil Siemeister. Vom Rufen zum semiotischen Fallenstellen“ einen Beitrag zu der immer neu aufgenommenen Debatte. Anhand der Plakatarbeiten des renommierten österreichischen Künstlers Emil Siemeister wird da eine ganz spezifische gestalterische Position innerhalb dieses Themenkreises beleuchtet.

Emil Siemeister wurde 1954 im burgenländischen Deutsch Kaltenbrunn geboren. Nach Studien an der Kunstgewerbeschule Graz und an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien arbeitet Siemeister als freier Künstler und Lehrbeauftragter für Grafik und Zeichnung an verschiedenen Ausbildungsstätten. Sein künstlerisches Tätigkeitsfeld reicht dabei von Performances über Buchgestaltungen bis zu vielfältigen grafischen Arbeiten, zu denen eben auch seine Plakate gehören.

Emil Siemeister, Rufen + Jarlen, 2000, Digitaldruck, originalgrafisch überarbeitet, © 2016 Emil Siemeister (Foto: Jens Nober, Museum Folkwang)

Emil Siemeister, Rufen + Jarlen, 2000, Digitaldruck, originalgrafisch überarbeitet, © 2016 Emil Siemeister (Foto: Jens Nober, Museum Folkwang)

„Siemeister bedient sich einer ganzen Palette von Möglichkeiten, um spielerisch zwischen Werbefläche und Kunstprodukt zu pendeln“, meinen Tobia Bezzola und René Grohnert zur Arbeitsweise des Künstlers: „Gedruckte Kleinauflagen werden individuell grafisch weiterbearbeitet, so dass aus einer Auflage gleichartiger Blätter eine signierte und nummerierte Serie von Varianten wird. Gleiche Motive werden auf verschiedene Materialien gedruckt, die zum Teil vorher händisch eingefärbt wurden. Zu einer Ausstellung werden verschiedene Motive in kleiner Auflage hergestellt, in reiner Handarbeit oder als individuelle Überarbeitungen gedruckter Motive.“

Zur allgemeinen Fragestellung „Sind Plakate Kunst?“ findet sich im Ausstellungkatalog ein aufschlussreicher Artikel von Jürgen Döring, der eine Reihe von Publikationen zum Thema Künstlerplakate verfasst hat. „Das Problem bei der Frage, ob Plakate Kunst sind“, meint Döring zutreffenderweise, „liegt weniger auf Seiten der Plakate als auf Seiten der Kunst. Denn alles steht und fällt mit der Definition von Kunst.“ Nach einem pointierten Überblick zur Entwicklung des Mediums Plakat in dessen künstlerischem Umfeld kommt Jürgen Döring zum treffenden Schluss: „Es gibt Plakate und es gibt Kunst. (Aber die Zukunft wird zeigen, dass Plakate Kunst sind.)“

Weitere Hinweise:
Deutsches Plakat Museum