Grüne Plakate für Essen

Essen - Grüne Hauptstadt Europas, Detail aus dem Siegerplakat von Henning Wagenbreth

Alljährlich ernennt die Europäische Union eine Stadt zur „Grünen Hauptstadt Europas“. Für 2017 wurde Essen mit diesem Prädikat ausgezeichnet. Und da die ambitionierte Stadt im Ruhrpott nun nicht nur als „European Green Capital“ firmiert, sondern schon lange als Sitz des Deutschen Plakat Museums auch eine Plakatstadt ist, lag es nahe, auf die diesjährige Ehrenstellung der Stadt mit entsprechender Werbung aufmerksam zu machen.

Ein Plakatwettbewerb wurde ausgeschrieben und man lud renommierte Ateliers aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz ein,  entsprechende Arbeiten einzureichen. Aus Österreich war es Peter Felder aus Rankweil, der mit einer respektablen Serie an der Konkurrenz teilnahm. „Es galt“, so die Auftraggeber, „die Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 mit einer Serie von jeweils drei Plakaten zu bewerben und zu feiern. Dabei sollte durch eine außergewöhnliche visuelle Ansprache und unübersehbar plakativ auf das Ereignis aufmerksam gemacht werden. Um es den Designerinnen und Designern nicht allzu einfach zu machen, wurden anspruchsvolle Leitgedanken vorgegeben: Plakat 1: Umdenken in Mobilität, Freizeit und Konsum, Plakat: 2 Grüner Wandel der Region, Plakat 3: Bewegung im Sinne von Veränderung im Denken und Handeln.“

Beide Plakate: Henning Wagenbreth, Wir sind Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017, © 2017 Henning Wagenbreth und Stadt Essen, Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017

Derzeit werden im Deutschen Plakat Museum in Essen die Einreichungen präsentiert, und es ist schon erstaunlich, dass angesichts dieser etwas abstrakt überbordenden Aufgabenstellungen so viele originelle und im wahrsten Sinne des Wortes anschauliche Umsetzungen zustande gekommen sind. Die Jury, bestehend aus Uwe Loesch, Anna Berkenbusch, René Grohnert, Ralph Kindel und Simone Raskob, entschied sich einstimmig für die Serie des Berliner Grafikers und Comic-Zeichners Hennig Wagenbreth. Aufgrund des hohen Niveaus aller eingereichten Beiträge war die Entscheidung für die Jury sicher nicht leicht, aber deren letztendliche Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar. Denn der Sieger Hennig Wagenbreth hat sehr originelle Arbeiten vorgelegt: Es sind narrative Visualisierungen, die mit ihrer Fülle an enthaltenen Bild-Geschichten den komplexen Aufgabenstellungen sehr nahe kommen. Sympathisch wirkt dabei, dass die bedeutenden Anliegen durch eine witzige und humorvolle Umsetzung popularisiert werden.

Links: Henning Wagenbreth, Wir sind Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017, © 2017 Henning Wagenbreth und Stadt Essen, Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 / Rechts: Jennifer Jäger – Linda Knott, Wir sind Grüne Hauptstadt – Essen 201, © 2017 Jennifer Jäger, Linda Knott und Stadt Essen, Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017

Zusätzlich zur Ausschreibung der Stadt Essen erfolgte durch das rührige „Deutsche Plakatforum“ ein Wettbewerb zum selben Thema für Studentinnen und Studenten der Folkwang Universität der Künste. Diese Arbeiten werden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt. Ihre hervorragende Qualität zeigt, dass man sich um die zukünftige Qualität des Mediums Plakat wenig Sorgen zu machen braucht. Gewonnen haben die Konkurrenz die beiden Grafikerinnen Jennifer Jäger und Linda Knott mit ihren kritischen, zum Nachdenken auffordernden Arbeiten, auf denen das gefeierte Grün der Stadt Essen der Schimmel auf verrottenden Nahrungsmitteln ist, versehen mit dem Motto „Grünes Essen. Ist unser Essen grün genug?“. So viel Selbstkritik zeigt Größe…

Weitere Hinweise:
Museum Folkwang