33⅓ – Cover Art

33⅓ – Cover Art, Foto: © Juan Maiquez

Plattencover: Nostalgie für die einen, Museumsstücke für die anderen. Wir haben damit gelebt. Wenn sie auch vorerst einmal Mittel zum Zweck waren – sie sollten die heikle Vinyl-Oberfläche der LPs schützen – wurde daraus bald sehr viel mehr. Die Populärkultur brachte es mit sich, dass sich dieses Verpackungsmaterial zum eigenständigen Kunstwerk entwickelte. Wie stark die Musik da im Unterbewussten mitwirkt, ist sicher schon Thema einschlägiger Untersuchungen. Das eine bedingt ja das andere, ist Vorstufe, die aber bereits Genuss sein konnte.

Herunter auf den Boden, zu den historischen Facts: Schon 1940 – immerhin auch das Geburtsjahr des Verfassers dieser Zeilen – also schon 1940 entstand das erste Plattencover, damals allerdings noch für eine Schellackplatte. WIKIPEDIA erzählt die Geschichte von Alex Steinweiss, der für ein Foto zu einem New Yorker Theater fuhr und den Besitzer dazu überredete, die Leuchttafel eine Stunde so einzustellen, dass sein Team den Schriftzug mit den Namen der beiden Songwriter fotografieren konnte. Dieses  Cover ist natürlich auch in der Ausstellung im Kunstraum Nestroyhof zu sehen. Kurz zu dieser Location: 1898 ist der Nestroyhof nach Entwürfen von Oskar Marmorek erbaut worden, war über lange Zeit hindurch ein Zentrum für Jüdische Kultur, wurde 1940 „arisiert“, nach dem Krieg Kino und Supermarkt, 2003 wieder seinem ursprünglichen Zweck als Theatersaal zugeführt und 2016 durch den beeindruckenden Kunstraum Nestroyhof auf zwei Etagen als Heimat von Georg Folians Projekt „Serendipity“ erweitert. Unter „Serendipity“ kann man den glücklichen Zufall verstehen, Dinge zu finden, die man nicht gesucht hat. Das Glück wird aber – so die Kuratorin Christine Janicek – nur jenen zu teil, die offen sind dafür, etwas zu finden. Ein Jahr ist dieser Kunstraum jetzt alt, die sechste Ausstellung soll der Cover Art gewidmet sein, sie verbindet bildende Kunst mit Musik, der zweiten Leidenschaft von Christine Janicek. Am Anfang war die Idee, ausgehend von einem Vortrag über Fotografie auf Plattencover. (Der Vortragende, der Leipziger Fotograf und Musikjournalist Arne Reimer, wurde dann auch zum Co-Kurator der Ausstellung.) Die Suche nach geeigneten Objekten begann im eigenen Fundus, setzte sich bei Freunden fort, Musikjournalisten und offizielle Stellen taten das ihre. Es war eine Welle der Freude, da mittun zu können, freigebig und unkompliziert lieh man her.

Wie stellt man Plattencover aus? Man setzt gleich zu Beginn einen Eye-Catcher, „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club“ , allerdings stark vergrößert – um den Dimensionen des Raums gerecht zu werden – und daneben, in gleicher Größe, eine der vielen Parodien, die dieses Kunstwerk nach sich zog, nämlich Frank Zappas „We´re only in it for the money“. Und nun beginnt die Show, in Augenhöhe, 250 Plattencover, im Großen und Ganzen chronologisch gereiht, wobei diese Chronologie nicht sklavisch eingehalten wird, vor allem dann nicht, wenn sich Schwerpunkte ergeben. Das können sowohl Stil- als auch Musikrichtungen sein, dann Orte oder auch Künstler, Fotografen oder Designer. Hier jetzt einzelnes aufzuzählen, hieße das andere vernachlässigen. Man wird nicht alle Cover kennen, aber doch sehr viele, sehr viel mehr als man zuvor angenommen hat. Die Bilder beleben das Gedächtnis, denn viele haben wir so und so oft gesehen: Das verfremdete Gesicht von Laurie Anderson, das Automatenfoto von Leonard Cohen, das Antlitz von Miles Davis in dramatischem Schwarz-Weiß, um nur ein paar ganz besondere Eindrücke zu nennen. Im oberen Stockwerk findet man – neben dem Punk – eine Wand, die der österreichischen Produktion gewidmet ist. Chauvinistische Namensnennung sei ausnahmsweise gestattet: Arik Brauer, Gottfried Helnwein und auch Arnulf Rainer. Letzteren konnte ja André Heller für seine LP „Verwunschen“ gewinnen.

Schlusspunkt der Show sind die frühen 90er Jahre. Da war die CD aufgekommen und brachte andere Voraussetzungen mit sich. Das Cover musste kompatibel sein, für beide Formate gelten. Damit wollten sich dann viele Künstler nicht mehr auseinandersetzen.

Musik wird in der Ausstellung im Kunstraum Nestroyhof aber auch direkt präsent sein. Einzelne Nummern von den Platten, deren Cover an den Wänden hängen, beleben die Räume auf ihre ganz  besondere Art und Weise.

Die Präsentation des Katalogs  „33⅓ – Cover Art“ findet am Mittwoch, 4. Oktober 2017, um 19.00 Uhr im Kunstraum Nestroyhof, Nestroyplatz 1, 1020 Wien, statt.

Weitere Hinweise:
Kunstraum Nestroyhof