Sign Week Vienna

Wien, Josefstadt, 2014 ( Foto: B. Denscher)

In dreizehn Veranstaltungen an neun Tagen soll der Sinn der Wiener Bevölkerung für den Formenreichtum alter Stadtbeschriftungen geschärft und gleichzeitig das Überleben dieser individuellen Signs gesichert werden.

Tom Koch brachte voriges Jahr unter dem Titel „Ghostletters Vienna“ ein Buch über die hiesigen Spuren urbaner Identität heraus. Da ging es ihm darum, all das, was da bunt, auffallend und leuchtend an Hausmauern und über Ladenfronten zu sehen war, festzuhalten. Leider hatte das Buch – Wien bleibt Wien – nicht die erwarteten Folgen: die Schilder und Schriften wurden nicht aufbewahrt und erhalten. Es trat also genau das Gegenteil von dem ein, was man mit dem Buch bezweckte: mehr und mehr wurde abmontiert und zerstört. Und so versucht es Tom Koch noch einmal. Mit der Sign Week Vienna möchte er an die lange Tradition Wiens hinsichtlich individueller Stadtbeschriftung erinnern und gleichzeitig darauf hinweisen, dass dieses Wien als Metropole der Schildermalerkunst galt. Die Woche vom 19. bis 27. September, die ganz im Zeichen der Wiener Stadtbeschriftungen steht, hat  zwei Hauptschauplätze. Zum einen die Ausstellungen in der KMG Art Gallery und zum anderen das Freihausviertel auf der Wieden, wo in der Mühlgasse das Schildermalermuseum angesiedelt ist. Die KMG Art Gallery, in der im restlichen Jahr der Kunstsupermarkt anzutreffen ist, steht zur Zeit leer und so wurde Platz für die Fotoausstellung „Signs from different worlds“ von Achim Gauger und Steve Spiegel. Der Untertitel „Identity lost + found“ weist schon auf die Probleme hin, dass nämlich die Globalisierung in den Stadtbildern ihre Spuren hinterlässt, dass zerstört wird und daher bewahrt werden muss. Steve Spiegel war in Havanna und seine Bilder zeigen, dass man dort bemüht ist, ikonische Signs sowohl zu erhalten als auch wiederzubeleben. In den Bildern Achim Gaugers hingegen findet man all das, was im letzten Jahr aus dem Wiener Stadtraum verschwunden ist. Tom Koch ist es auch gelungen, Martin Kristofcsak mit seiner Sammlung alter Geschäftsbeschriftungen einzuladen, so dass man in der KMG Art Gallery einige ausgewählte Wiener Signs, die im letzten Jahr verschwunden sind, im Original sehen wird können. Die Firma Hämmerle, in der Nachbarschaft der Galerie gelegen, stellt drei Auslagen zur Verfügung, in denen Neon-Objekte und Schautafeln zu sehen sein werden.

Das Schildermaler Museum in der Mühlgasse ist Europas einzige derartige Institution. Vor 135 Jahren wurde dort die Schildermalerwerkstätte Samuel gegründet. Josef Samuel lädt am Wochenende vom 22. bis 24. September in seine Werkstätte ein, die er nach wie vor unter dem Motto „Schilder, schön wie Bilder“ betreibt. Im Schikaneder-Kino, ganz nah dem Museum gelegen, werden zwei Bücher präsentiert werden: das eine heißt „Geschäfte mit Geschichte – Waren aller Art in Wien“, in dem Martin Frey und Philipp Graf alte Geschäftsportale zeigen und das andere ist eine Geschichte des Betriebs von Josef Samuel. Und, dort – im Schikaneder-Kino – wird auch der von der von der Sign Week und der Wirtschaftskammer Wien ausgeschriebene Award „Wiens schönste Geschäfte“ verliehen werden.

Waren das die Programmpunkte, die man unter dem Titel „Exhibitions“ zusammenfassen könnte, so haben sich die Gestalter aber auch „Walks and Talks“ einfallen lassen, das heißt, dass man im Anschluss an einschlägige Vorträge über urbane Beleuchtung und Lichtplanung im Zuge eines nächtlichen Streifzuges den Lichtraum Wien unter sachkundiger Führung wird ergehen können. Filmvorführungen und Handlettering-Workshops runden das Programm der Sign Week ab. Auch der Verein Stadtschrift nimmt an der Veranstaltung teil. In seinem Office werden am Wochenende vom 23. bis zum 24. September renovierte Schriftzüge verschiedener Epochen und Produktionstechniken gezeigt und erklärt.

Weitere Hinweise:
Vienna Sign Week