Imre Vincze und die Salzburger Festspiele

Detail aus dem Plakat von Imre Vincze für die Ausstellung „Herbert von Karajan in Salzburg“, 1978

„designaustria“ gibt eine kleine, fein gestaltete Buchreihe zur Gebrauchsgrafik heraus, bei der jedes Heft einem anderen Künstler gewidmet ist. Bei der Broschüre Nr. 15 steht Imre Vincze (geboren 1936 in Budapest) im Mittelpunkt, Andreas Koop hat sie zu dessen achtzigsten Geburtstag mit viel Liebe gestaltet.

Imre Vincze hat für Theater und Opernhäuser Kostüme und Bühnenbilder gestaltet, er hat viele Jahre am Mozarteum Salzburg unterrichtet und war verantwortlich für die Gestaltung von insgesamt 18 Aufführungen im Landestheater Salzburg mit. Ab 1962 war Imre Vincze Ausstattungsleiter bei den Salzburger Festspielen, hat in dieser Funktion die Ära Karajan in Salzburg und ihren Bühnenstil wesentlich mitgeprägt.  Zu seinen Leistungen zählte auch, dass er den Festspielen mit einem einheitlichen Gestaltungauftritt ein sehr akzentuiertes Gesicht gegeben hat. Seine Plakate, Programmhefte, Almanache, Transparente, Plattencover, Buchgestaltungen, Eintrittskarten und Signets waren allesamt geprägt von einer sanften, dezenten Moderne, haben beim breiten Publikum Eindruck hinterlassen. Wer die Abbildungen in der Broschüre sieht, kann sich an die Entstehungszeit erinnern. So waren die Salzburger Festspiele in den 1960er und 1970er Jahren, fern von den Vexierspielen der Popkultur und der Postmoderne. Klassische Gediegenheit, aber nicht verzopft. Verspielt, aber ohne Anmutung von Provokation. Seriös, ohne Spuren von Lässigkeit und Sarkasmus. 

Koop, Andreas: Imre Vincze. Gestaltung als Festspiel, Wien 2016 (=/design/er/leben/, 15. Bd).