Federico Seneca: Italienische Küsse

Federico Seneca, Plakat “Baci Perugina” (Ausschnitt), 1922, Museo Nazionale Collezione Salce, Treviso

Allen, die einen Bezug zu italienischer Kulinarik im Speziellen oder zu Süßigkeiten im Allgemeinen haben, werden die Baci, die Schoko-Küsse der Firma Perugina, ein Begriff sein. Kreiert wurde die Praline im Jahr 1922 von der später auch als Modeschöpferin erfolgreichen Luisa Spagnoli, deren Familie an der Schoko-Manufaktur beteiligt war. Angeblich hätte das Produkt, das einer geballten Faust ähnelt, „Cazotto“, was übersetzt „Faustschlag“ bedeutet, heißen sollen. Glücklicherweise wurden dann noch vor der Produkteinführung aus den Schlägen Küsse, also „Baci“.

Ausstellungsansicht (Alle Fotos: B. Denscher)

Für die gesamte optische Betreuung der Novität – von der Verpackung bis zur Bewerbung – war mit Federico Seneca einer der bedeutendsten italienischen Grafikdesigner jener Zeit zuständig. Ihm ist derzeit im „Museo Nazionale Collezione Salce“ in Treviso eine sehenswerte Ausstellung gewidmet.

Federico Seneca wurde im Jahr 1891 im Fano in Mittelitalien geboren. Er studierte in Urbino an der Kunstakademie, wo er eine Ausbildung zum Zeichenlehrer erhielt. Bereits 1912 begann er mit einem Tourismusplakat für seine Geburtsstadt Fano als Gebrauchsgrafiker zu arbeiten. Während des Ersten Weltkriegs war Seneca Pilot bei der Luftwaffe. 1919 kam er als Grafiker zu der in Peruga ansässigen Firma Perugina, 1922 wurde er dort Leiter der Werbeabteilung. 1925 wurde er zusätzlich auch Werbechef des Teigwarenherstellers Buitoni, zu dem die Schokoladenmacher aus Peruga gehörten. 1932 beendete Seneca seine Tätigkeit für den Lebensmittelkonzern und gründete in Mailand ein eigenes Grafik-Studio, das er bis 1960 erfolgreich weiterführte. 1976 starb er in Casnate con Bernate in der Nähe von Como.

Die Ausstellung in Treviso dokumentiert Leben und Werk von Federico Seneca in sehr anschaulicher und abwechslungsreicher Weise. Die über 300 präsentierten Exponate umfassen Plakate, Inserate, Kalender, Verpackungen, Postkarten und Logos. Anhand vieler Skizzen und kleiner Gipsmodelle bekommt man genaue Einblicke in die Arbeitsweise des Grafikers.

Die Schau wird von einem umfangreichen Katalog in italienischer und englischer Sprache begleitet. Man findet darin Informationen über die Firmengeschichten von Buitoni und Perugina, erfährt Interessantes über Senecas Bezüge zum italienischen Futurismus und eingehende Stilanalysen seiner Werke. Die beiden Ausstellungskuratorinnen, Marta Mazza und Nicoletta Ossana Cavadini, charakterisieren in ihrer gemeinsamen „Nota dei curatori“ die Leistungen des Künstlers folgendermaßen: „Er war einer der Protagonisten der Bildwerbung im 20. Jahrhundert, obwohl er einem breiteren Publikum wegen seines zurückhaltenden Charakters und seinem wenig ausgeprägten Hang zur Eigenwerbung nicht sehr bekannt ist. Doch die Werbeentwürfe in seinem ganz persönlichen Stil reflektieren die Bildvorstellungen einer Epoche und werden bemerkenswert durch seine prägnante Arbeitsweise und die Synthese der Formen, die aus seinen Arbeiten echte Ikonen der Moderne werden lassen.“ 

Weitere Hinweise:
Museo Nazionale Collezione Salce