Grafik mit Geschmack

Grafik mit Geschmack: Infografiken für Küchenprofis (Alle Abbildungen aus dem Buch „Simone Klabin – Ed. Julius Wiedemann: Food & Drink Infographics. A Visual Guide to Culinary Pleasures, Taschen Verlag, Köln 2018)

Wieder einmal ist von einem alle Grenzen sprengenden Buch zu berichten. Wobei man das imposant-gewichtige Äußere (knapp vier Kilogramm mit knapp fünfhundert Seiten!) bei diesem Verlag ja schon gewöhnt ist. Diesmal aber ist es der Inhalt, der überrascht, weil da vorerst einmal neue und so, in diesem Ausmaß wahrscheinlich noch nie gesehene, Zusammenhänge aufgezeigt werden. Hinter dem Buch „Food & Drink Infographics. A Visual Guide to Culinary Pleasures“ steht die Annahme – so die Autorin Simone Klabin in der Einleitung – „dass mithilfe von Infografiken und nur wenig Textmenge umfassende Informationen über Gastronomie klar und präzise vermittelt werden können.“ Es geht also um Essen und Trinken und alles, was man damit in Zusammenhang bringen kann. Da werden in Bildern, die die Sprache der Infografiken benutzen, Elemente aus dem Bereich Design, Illustration und/oder Fotografie verwendet und nur mit einigen wenigen Wörtern ergänzt. Das, was die Juristin Simone Klabin, die in den Bereichen Film, Kunst, Kultur und Kindermedien doziert, da als Programm angibt, lassen wir so einmal stehen. Und wenden uns dem Vorwort von Michael Ruhlmann zu. Der ist kulinarisch einschlägiger Bestsellerautor in den USA und gibt an, „irgendwann einmal jedes mir bekannte Rezept in Kreisdiagramme verwandelt zu haben“ und dass er später – auf einer zwei Meter langen Papierrolle – ein Flussdiagramm gefertigt hat, „das alles enthielt, was man mit einem Ei machen kann“. Das mag immer noch recht theoretisch klingen, aber, für seine App RATIO hat Ruhlmann zum Beispiel ein Diagramm erstellt, das nun am Anfang des Buchs „Food & Drink Infographics“ zu finden ist:  Ganz oben sind Kästchen in verschiedenen Farben zu sehen, untertitelt mit Mehl, Flüssigkeit, Ei, Fett und Zucker. Darunter sind zwölf Grafiken angeordnet, je eine für eine Teigart. Diese Grafiken bestehen aus oben erwähnten Kästchen und  stellen so dar, welche Zutaten in welcher Menge für den jeweiligen Teig benötigt werden. (Was da mühselig versucht wird, in Worten zu erklären, ist auf der Grafik auf einen Blick zu erkennen.) Das ist natürlich nicht immer so, man braucht schon einige Zeit, um sich in manche der Darstellungen einzuarbeiten, die Logik hinter dem Ganzen zu erkennen, es ist ähnlich wie beim Umgang mit Computerprogrammen, die man ja nur dann wirklich versteht, wenn man die Gedankengänge dahinter erkennt. Aber Julius Wiedemann, einer  d e r  Buchmacher im TASCHEN-Verlag hat das Seine getan, um einem den Zugang zu all diesen Grafiken, Tabellen, Übersichten und Abbildungen zu erleichtern. Beim Durchblättern – und das wird ja die erste Annäherung an dieses Buch sein – beim Durchblättern fallen einem gleich einmal die wunderschön-bunten Tafeln auf, zum Beispiel diejenige mit den Gemüsen, die aufzeigt, was wir jeweils von welchem Gemüse essen.

Zurück zur Übersicht, zur Einteilung des Buches: An die Einleitung, in der erklärt wird, wie diese Geschichte vom Essen und Trinken nun im Folgenden erzählt – oder besser – gezeigt werden wird, reihen sich die einzelnen Kapitel: Zuerst „Wie wir essen“, dann das Essen an und für sich. Die vierzehn Kapitel beschäftigen sich von Milch und Käse über Ei, Fisch und Fleisch bis hin zu Obst und Gemüse, Kräutern, Gewürzen, um schließlich mit Essig und Öl dieses Kapitel abzuschließen. Beim Öl soll nun versucht werden, beispielhaft zu erklären, was einen erwartet, wie das Ganze gestaltet ist: Den Beginn macht eine Tafel, die den Weg der Oliven vom Baum bis hin zur Flaschenfüllung zeigt, dann – natürlich ebenfalls bildlich unterstützt – eine Anleitung zum Verkosten von Olivenöl, eine historische Wandtafel aus dem Jahr 1860 aus Frankreich zum Thema „Huile d´Olive“, eine weitere Tafel auf der zwölf Flaschen mit Salatdressings zu sehen sind: die Bestandteile verschiedenfärbig und in verschiedener Menge, dann „The Ultimate Guide to Salad Dressing“, wo bunt und übersichtlich die Grundregeln angeführt sind, wie man die einzelnen Zutaten von cremig bis würzig dosieren sollte. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einem Comic „Mom´s Pesto“. Hier wäre vielleicht auch der Anlass anzumerken, dass das Buch sehr wohl dreisprachig abgefasst ist, d.h., dass jede Darstellung in Englisch, Deutsch und Französisch erklärt wird, dass aber die Beschriftungen in den Tafeln und Zeichnungen meist englisch sind. Zucker, Schokolade und Kuchen heißt das nächste Kapitel (natürlich wieder mit Rezepten), es folgt Ausstattung und Gästebewirtung. Schon allein, damit man weiß, wie man für eine, zwei oder vier Personen für Frühstück, Lunch oder Dinner deckt, kann man sich in einem wunderbaren Gewirr von verschiedenfarbigen Kreisen und Zeichen verlieren. Viel strenger ist das Schaubild aus dem „American Woman´s Cook Book“ mit der richtigen Reihenfolge beim Servieren eines siebengängigen Essens gehalten, das aus dem Jahr 1938 stammt. Im letzten Kapitel des Buches geht es um die Getränke, es eröffnet der Kaffee. Wieder zeigt eine bunte Schautafel den Prozess von der Ernte bis zur Zubereitung.

Am Beginn des Teils über die alkoholischen Getränke findet man die Methoden, wie in den verschiedenen Ländern der Kater bekämpft wird.  Den Schluss macht ein großer gelber Kreis, um den herum die international üblichen Trinksprüche in Lautschrift zu lesen sind.

Simone Klabin – Ed. Julius Wiedemann: Food & Drink Infographics. A Visual Guide to Culinary Pleasures, Taschen Verlag, Köln 2018.