Ein österreichisches Jahrhundert in Fotografien

Alle Fotos: Lisa Rastl © mumok

Am 12. November 1918 wurde in Österreich die demokratische Republik ausgerufen. Die von Tumulten begleitete Proklamation wurde damals genau mit Film und Fotografie dokumentiert. Seitdem hat die Bildberichterstattung die politischen Entwicklungen hierzulande in differenzierter und perspektivenreicher Weise begleitet. So unterschiedlich die Standpunkte einer Kamera sein können, so verschieden lassen sich Dinge und Ereignisse darstellen. Die scheinbare Objektivität der Fotografie entpuppt sich dabei als trügerische Fiktion.

Die aktuelle Ausstellung „Photo/Politics/Austria“ im „Museum moderner Kunst“ in Wien beschäftigt sich mit diesem Spannungsfeld von Politik und Fotografie, von Dargestelltem und Darstellendem. Es ist eine sensibel und intelligent von den beiden Kuratorinnen Monika Faber und Susanne Neuburger zusammengestellte Schau zur Geschichte Österreichs der letzten hundert Jahre. In den Themenbereichen Bild-Reportage und Fotokunst werden hier zeit- und kulturhistorische Aspekte mit medienanalytischen Reflexionen in schlüssiger Weise verwoben.

Eine theoretische Grundlage für ihr Darstellungs-Konzept fanden die beiden Kuratorinnen in Siegfried Kracauers letztem Werk „History – The last things before the last“ aus dem Jahr 1969: „Geschichte gleicht Photographie unter anderem darin, daß sie ein Mittel der Entfremdung ist.“ – Dieses und andere Zitate von Siegfried Kracauer geben in der Schau eine Art methodologischer Markierungen vor. Der Geschichts- und Filmtheoretiker betont in seinem Buch, dass Geschichte auch immer die Erzählung von weniger Bekanntem, Verdrängtem, Vergessenem sein soll. Und genau in diesem Sinn kann man in „Photo/Politics/Austria“ neben visuellem Mainstream auch vielfältige Entdeckungen zu Sonderbarem und Erstaunlichem in der jüngeren österreichischen Geschichte machen. Schwerpunkte sind dabei unter anderem Friedl Dickers Montagen über die sozialen Verhältnisse in den frühen 1930er Jahren, die  Bildstrategien des Ständestaates, die oft publizierte „Heimkehrer“-Fotoserie von Ernst Haas aus dem Jahr 1947 und die „Mauthausen-Dokumentation“ von Heimrad Bäcker aus den 1970er Jahren. Begleitet wird diese große Bild-Erzählung von einer Reihe erläuternder Dokumente, so etwa Zeitungsausschnitte, Postkarten, Flugblätter und Plakate.

Gestaltet wurde die Schau vom renommierten österreichischen Künstler Markus Schinwald, der dafür eine sehr klare und optimal funktionierende Architektur geschaffen hat.

Weitere Hinweise:
Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien