Back in Bregenz: Stefan Sagmeister

Stefan Sagmeister, Detail aus dem Package-Design für die CD „Trio 99→00“ von Pat Metheny, 2000

Stefan Sagmeister, der die Bezeichnung „Stardesigner” quasi als zweiten Vornamen trägt, wird das Design der Corporate Identity für das Vorarlberger Landesmuseum übernehmen. Diese Erfolgsmeldung konnte Tobias G. Natter, der Direktor des Museums, nach einem Treffen mit Sagmeister in dessen New Yorker Atelier mitteilen: „Für das Projekt VLM Neu ist ein weiterer Meilenstein gelegt worden. Es ist uns gelungen, einen der international renommiertesten Grafiker für unser Projekt VLM Neu zu gewinnen. Das ist nicht nur Anlass zu großer Freude, sondern belegt einmal mehr, dass wir mit unserem Ziel, 2013 ein rundum zeitgemäßes, neues Landesmuseum zu präsentieren, auf einem guten Weg sind.”

Der New Yorker Designer kehrt damit in seine Heimatstadt zurück, denn Stefan Sagmeister wurde am 6. August 1962 in Bregenz geboren. Sein Studium begann er 1981 in Wien bei Kurt Schwarz an der Hochschule für angewandte Kunst. Bereits während des Studiums entwarf er mit einigen Kollegen unter dem Namen „Gruppe Gut” Plakate für Hans Gratzers Wiener Schauspielhaus. Gratzer beauftragte Sagmeister 1985 auch mit einer Serie von 35 Plakaten für die Rettung des vom Abriss bedrohten Etablissements Ronacher. Ein Engagement, das nicht nur künstlerisch, sondern ebenso in der Sache selbst erfolgreich war: dank einer aktiven Kulturszene und des Verständnisses des damaligen Bürgermeisters Helmut Zilk konnte das Theater erhalten bleiben.

Ein Fulbright Stipendium ermöglichte es Stefan Sagmeister 1987, nach New York zu übersiedeln und seine Ausbildung am Pratt Institute fortzusetzen. Zur Absolvierung des Zivildienstes kehrte er 1989 nach Österreich zurück, aber auch in dieser Zeit war er designmäßig aktiv: Für die Jazzgalerie Nickelsdorf legte er 1990 einige Plakate vor, die heute schon als legendär gehandelt werden. Für die Fashion Show „Wien in Mode” kreierte er ebenfalls 1990 in rote Roben gekleidete mobile Litfaßsäulen. Im Inneren verborgene Personen bewegten diese Säulen auf Rollen durch die Wiener Innenstadt, was zu einem spektakulären Effekt führte, der von den Medien entsprechend wahrgenommen wurde und so die Werbewirkung deutlich erhöhte.

1991 ging Sagmeister nach Hong Kong, um in der Werbeagentur von Leo Burnett zu arbeiten. 1993 konnte er in New York bei „M&Co” – im Studio von Tibor Kalman, einem der „Heroes” des alternativen Grafikdesigns der 1980er Jahre – anheuern. Noch im selben Jahr machte sich der Vorarlberger selbständig und gründete die Firma „Sagmeister Inc.” Schon die Eröffnungsanzeige des Studios zeigt, dass der Designer den ihm innewohnenden Narzissmus immer wieder mit seinem Hang zum Exhibitionismus zu verbinden verstand – sandte er doch Karten mit seinem Aktfoto aus. Relativ rasch wurde Stefan Sagmeister zu einem der hippsten Graphic Designer der Vereinigten Staaten. Er hielt engen Kontakt zur Musikszene, mit der er schon während seiner Tätigkeit bei Kalman in Verbindung getreten war. So entwarf er CD-Covers für David Byrne von den „Talking Heads”, für Lou Reed, die Rolling Stones, Pat Metheny und für viele andere. Sechsmal wurde er für seine Arbeiten im Musikgeschäft für einen Grammy Award nominiert. Zweimal erhielt er diese renommierte Auszeichnung: 2004 in der Kategorie „Best Boxed Or Special Limited Edition Package” für die Gestaltung des Albums „Once In A Lifetime” der Talking Heads und 2009 in der Kategorie „Best Recording Package” für „Everything That Happens Will Happen Today” von David Byrne und Brian Eno.

In dieser international erfolgreichen Zeit hielt Stefan Sagmeister auch weiterhin Kontakt zu seiner österreichischen Heimat: Schon Mitte der 1990er entwarf er für die Vorarlberger Textil-Ladenkette „Blue” seines Bruders eine – typisch Sagmeister – in orange-schwarz gehaltene Corporate Identity. 2002 gestaltete er das Erscheinungsbild des Geschäftsberichtes der österreichischen Beleuchtungsfirma Zumtobel – ein seitdem mehrfach publiziertes Beispiel für eine zeitgemäße Selbstdarstellung eines modernen Firmenbetriebes.

Von September 2002 bis Jänner 2003 wurde im Wiener Museum für angewandte Kunst die Personale „Stefan Sagmeister: Handarbeit” gezeigt. 2010 kuratierte Anita Kern gemeinsam mit Bernadette Reinhold und Patrick Werkner eine Ausstellung der Wiener Universität für angewandte Kunst zur Geschichte des österreichischen Grafikdesigns unter dem Titel: „Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute. Von Kolo Moser bis Stefan Sagmeister”. Das im Titel der Schau enthaltene Statement beweist überzeugend die internationale Bedeutung des Bregenzers.

Anita Kern schrieb in ihrem 2008 erschienenen – und bald zum Standardwerk avancierten – Buch „Österreichisches Grafikdesign im 20. Jahrhundert”: „Sagmeisters ausschließliche Konzentration auf den Inhalt einer zu gestaltenden Aufgabe, das Einbringen seiner persönlichen Überzeugung auch in seine Auftragsarbeit, eine gewisse Kompromisslosigkeit, die allein dadurch gegeben ist, dass er die Aufträge, die er annimmt, genau auswählt, und nicht zuletzt die Form, die sich als Ergebnis dieser Komponenten ehrlich, ungeschönt und kraftvoll, oft auch verspielt und stets überraschend zeigt, stellt vermutlich das Faszinosum seiner Person als von Gestaltern weltweit beachteter Grafikdesigner dar.”

Umso erfreulicher, dass nun Direktor Tobias G. Natter den erfolgreichen Grafiker zumindest über seine Arbeit in dessen Geburtsstadt zurückholen kann. Zur kommenden Aufgabe in Bregenz sagte Stefan Sagmeister laut Presseaussendung des Landesmuseums: „Als Bregenzer freut es mich besonders, dass ich an der Aufbruchstimmung um das neue Landesmuseum Vorarlberg aktiv mitwirken kann. Mir liegt viel an diesem Auftrag, den ich für ein anderes Landesmuseum bestimmt nicht mit derselben Freude angenommen hätte wie für das Museum meiner Heimatstadt.”

Weitere Informationen:
Kern, Anita: Österreichisches Grafikdesign im 20. Jahrhundert, Salzburg 2008.
Kern, Anita – Bernadette Reinhold – Patrick Werkner (Hrsg.): Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute. Von Kolo Moser bis Stefan Sagmeister, Wien 2010.
Vorarlberger Landesmuseum

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