Theaterplakate im Deutschen Plakat Museum

Entwurf: Volker Pfüller, 1983

„Plakate bilden!“ – dieser Ausspruch von Museumsleiter René Grohnert trifft für die aktuelle Ausstellung im Deutschen Plakat Museum in Essen besonders zu. Unter dem beziehungsreichen Titel „Flächen, die die Welt bedeuten“ präsentiert Grohnert Theaterplakate von Frieder Grindler und Volker Pfüller. Damit wird nicht nur ein Teil wichtiger deutscher Designentwicklung, sondern auch ein interessanter Aspekt europäischer Theatergeschichte aufgearbeitet. Beide Grafiker sind bereits in Hellmut Rademachers Standardwerk „Theaterplakate – ein internationaler historischer Überblick“ aus dem Jahr 1989 vertreten, was den Stellenwert ihrer Arbeiten deutlich unterstreicht. Beide haben Plakate, Pfüller auch Bühnenausstattungen, für wichtige Inszenierungen geliefert.

Im Werk von Frieder Grindler finden sich auch viele Bezüge zur österreichischen Literatur. So schuf der am 3.6.1941 in Berlin geborene Grafiker unter anderem Plakate zu Werken von Peter Handke, George Tabori, Thomas Bernhard, Ödon von Horvath oder Hugo von Hofmannsthal für verschiedene deutsche Theater, wie das „Tübinger Zimmertheater“, das „Staatstheater Darmstadt“, das „Stadttheater Bremerhaven“, das „Badische Staatstheater Karlsruhe“, das „Tübinger Sommertheater“ oder das „Staatstheater Stuttgart“. Ein Höhepunkt seines Oeuvres ist die Affiche für die Produktion „Othello“. Dieses erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt von Ismael Ivo und Johann Kresnik war auch im Rahmen des Impuls-Tanzfestivals 1995 im Wiener Volkstheater zu sehen. Grindlers Werk wurde vielfach prämiert, unter anderem auch mit dem „Joseph Binder-Award“.

Volker Pfüller wurde am 7.6.1939 in Leipzig geboren und vereinigt in sich – wie viele Kreative der ehemaligen DDR – eine hohe künstlerische Qualität mit profundem handwerklichen Können und einer umfassenden Bildung. Wie René Grohnert in seinem Artikel „Jo Steiner und Volker Pfüller“ darlegt, weiß Pfüller um die spezielle Berliner Plakattradition sehr genau Bescheid und baut in seiner Arbeit bewusst darauf auf. Sein Plakat für Strindbergs „Totentanz“, eine Produktion des „Deutschen Theaters, Berlin“ aus dem Jahr 1986, wurde so zu einem der international wichtigsten Theaterplakate der letzten Jahrzehnte. Wenige wissen allerdings, dass die Darstellung der Frau ein Porträt der – aus einer der renommiertesten Wiener Theaterdynastien stammenden – Schauspielerin Katja Paryla ist. Kongenial auch Pfüllers Ankündigung für einen Georg Kreisler-Abend an der Berliner Bühne „Das Ei“.

Zu Pfüllers Werk vermerkt Ausstellungskurator René Grohnert im Katalog: „Kaum ein anderer Gestalter hält derart streng an der eigenen Bildsprache fest und bewegt sich flexibel nur innerhalb der selbst gesetzten Grenzen.“

Weitere Informationen:
Museum Folkwang