Hundertwasser im Kunst Haus Wien

Begleitbuch zur Ausstellung, herausgegeben von Andreas Hirsch (Ausschnitt)

Die Rezeption des Werkes von Friedensreich Hundertwasser war höchst unterschiedlich: Zunächst wurde er zu Anfang seiner Karriere wenig beachtet, dann vor allem als Provokateur wahrgenommen, bis er zu einer Art Guru vieler alternativ eingestellter Menschen wurde. Aber gerade jene an ökologisch verträglichen Lebensweisen Interessierten waren dann von seinen Architekturversuchen an der Wiener Müllverbrennungsanlage Spittelau und an der Autobahnraststätte Bad Fischau sehr enttäuscht. Immer mehr sahen sie Hundertwasser als Dekorateur trivialer Bildwelten, hofiert von einer in ästhetischen und künstlerischen Fragen geschmacksunsicheren Politik. Ein entsprechendes Merchandising mit hundertwasserschen Seidentüchern und Kaffeetassen tat ein Übriges, um das Ansehen des Künstlers in intellektuellen Kreisen zu minimieren. Allmählich wurde damit die Sicht auf Hundertwassers ursprüngliche Leistungen verstellt. Kaum mehr wurde wahrgenommen, dass die frühe Malerei dieses Künstlers von teilweise beachtlicher Qualität war, dass sein Aktionismus vielfach seiner Zeit voraus war und seine theoretischen Texte bemerkenswerte Ansätze boten.

Es ist somit verdienstvoll, dass nun Kurator Andreas Hirsch für das Kunst Haus Wien eine umfassende Ausstellung zu Leben und Werk von Friedensreich Hundertwasser zusammengestellt hat. Die Schau zeigt auch, wie stark sich der Maler in bester Wiener Tradition nicht nur ausführlich mit Architektur beschäftigt hat, sondern sich auch vielen Bereichen des Grafikdesigns widmete. So gestaltete er nicht nur Bücher und Briefmarken, sondern immer wieder auch Plakate – und diese vor allem als Ausdruck seines politischen und ökologischen Engagements. 1980 schon hatte er ein Poster mit dem Text „Plant Trees – Avert Nuclear Peril“ herausgebracht, 1983 folgte ein Plakat für einen norwegischen Naturschutzbund zum Thema „Save the Rain – Each Raindrop is a Kiss from Heaven“. 1984 war Hundertwasser einer jener Besetzer der Donauau bei Hainburg, die einen Kraftwerksbau verhindern konnten. Aus diesem Anlass publizierte er ein Plakat mit dem Slogan „Die freie Natur ist unsere Freiheit“. Der Umweltaktivist und spätere Direktor des Wiener Naturhistorischen Museums Bernd Lötsch erinnerte sich: „Am 12. Dezember 1984 – Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen Regierung und Umweltschützern um die letzten Donauauen bei Hainburg – zerreißt Hundertwasser vor laufenden Kameras den Staatspreis. Er schäme sich, erklärt er der versammelten Presse, von diesen verantwortungslosen Leuten Ehren entgegengenommen zu haben. Dann packt er seinen Schlafsack und legt sich wieder zu den Demonstranten, welche die vereiste Au seit Tagen gegen Motorsägen, Planierraupen und ein Großaufgebot von Gendarmerie und Polizei verteidigen. Sein Hainburg-Poster finanziert einen Teil des Widerstandes.“

Die Ausstellung „Hundertwasser. Die Kunst des grünen Weges“ ist im Kunst Haus Wien noch bis 6. November 2011 zu besichtigen.

Weitere Hinweise:
KUNST HAUS WIEN: „Hundertwasser – Die Kunst des grünen Weges“

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