Mascha über Makart

Zwei sehenswerte Ausstellungen befassen sich derzeit in Wien mit dem „Malerfürsten“ Hans Makart. Das Belvedere widmet sich dem „Maler der Sinne“, während das Wien Museum im Künstlerhaus unter dem Titel „Ein Künstler regiert die Stadt“ dem „Universaldesigner der Ringstraßenzeit“ nachspürt. Wie modern Makart in seinem Gestaltungswillen trotz historistischer Formensprache war, hätte man mit einem Plakat eindrucksvoll belegen können, das in beiden Präsentationen allerdings unberücksichtigt blieb. Für die „Erste Internationale Kunst-Ausstellung im Künstlerhause“ im Jahre 1882 gestaltete Makart das Ankündigungsplakat im damals üblichen „Diplomstil“. Genau genommen stellt das Plakat das erste Künstler-Plakat Österreichs dar, und zwar eineinhalb Jahrzehnte vor Alfred Rollers wegweisendem Plakat für die Slevogt-Ausstellung und Gustav Klimts Secessions-Plakat. Dass man das nicht signierte Künstlerhaus-Plakat Hans Makart zuschreiben kann und dass das Blatt heute noch in der Albertina erhalten ist, kann man dem großen Sammler und Experten Ottokar Mascha verdanken.

 Hans Makart, Plakat, 1882

Hans Makart, Plakat, 1882

In einem Artikel für den „Deutschen Bibliophilen-Kalender für das Jahr 1915“ erinnerte sich Mascha an „Die Odysee eines Sammlers“ – so der Titel des Beitrages. Darin beschrieb er ausführlich seine „Jagd“ nach einem angeblichen Plakat von Hans Makart für eine Kunstausstellung 1873. In Jean Louis Sponsels „Das moderne Plakat“ und Walter Zur Westens „Reklamekunst“ wird diese Arbeit dezidiert erwähnt. Nach langen und vergeblichen Recherchen bei Makarts Sohn und in vielen öffentlichen Sammlungen brachte ihn ein alter Freund von Makart auf die Idee, den damaligen Sekretär der „Wiener Künstlergenossenschaft“ nach dem Blatt zu befragen. Dazu Mascha wörtlich: „Regierungsrat Walz konstatierte mit absoluter Sicherheit, daß Makart ein Plakat für die Ausstellung 1873 nicht gezeichnet hat. Walz war ja bei der Weltausstellung in Wien 1873 und bei der Pariser Weltausstellung 1878 vom Beginn bis zum Schluß aller Arbeiten in der österreichischen Abteilung tätig gewesen und würde sich sicherlich an eine derartige Erscheinung erinnern. Aber der Katalog der Ersten Internationalen Kunstausstellung im Künstlerhause in Wien 1882 hat auf dem Umschlag die Reproduktion des Plakats zu eben dieser Ausstellung mit der Bezeichnung ‚H. Makart inv.’ ‚R. von Waldheim sc.’ Und das Vorwort des Katalogs enthält die ausdrückliche Angabe: ‚Den Umschlag des illustrierten Katalogs schmückt die Reproduktion desjenigen Entwurfs von Hans Makart, wonach die Plakate für die Ausstellung hergestellt wurden.’ So kam endlich die Wahrheit über das Makartplakat an Tageslicht. Dieses richtige Makartplakat, nicht von 1873, sondern von 1882 wird nun weiter gesucht. Die Kunstanstalt, die heute die Stelle der damaligen Firma ‚R. von Waldheim’ einnimmt, hat natürlich kein einziges Exemplar des kostbaren Plakats aufgehoben und weiß nichts davon. Also wieder nichts! Nach so vielen Irrfahrten wieder eine längere Pause. Und endlich bringt der Zufall doch den Lohn der vielen Mühe, als in einem versteckten Kellerwinkel wirklich ein verstaubtes Exemplar gefunden wird.“ (Siehe: Ottokar Mascha: Die Odyssee eines Sammlers).

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