Renato Casaro: Der Mann, der die Filme malte

In der Casaro-Ausstellung in Essen (Foto: DPM)

Das Museum Folkwang in Essen fällt zuerst einmal durch seine Architektur auf: „Sommerlich schwebend“ gestaltete David Chipperfield den 2010 eröffneten Museumsbau. Außerdem beheimatet der Bau auch das Deutsche Plakat Museum, dessen Sammlung 2011 aus mehr als 340.000 Objekten bestand. Zur Zeit, also vom 4. Februar bis zum 15. April, ist dort die Ausstellung „Gemalter Film, Plakate von Renato Casaro“ zu sehen. Auch wenn einem dieser Name bis jetzt kein Begriff war, kennt man doch das eine oder andere seiner Filmplakate: „Conan der Zerstörer“ zum Beispiel oder „Es war einmal in Amerika“.

Zur Ausstellung erschien bei Steidl in der Edition Folkwang ein adäquat gestaltetes Katalogbuch. Welches natürlich nicht nur aus Abbildungen der ausgestellten Plakate besteht. Nachdem man im Vorwort kurz mit der Biographie Casaros vertraut gemacht wird, z.B. dass er schon mit 17 Jahren die Reklamewände eines Kinos in seiner Heimatstadt Treviso bemalte, gibt René Grohnert, der Direktor des Plakatmuseums, in der Einführung einen kurzen Überblick über die Geschichte der Plakatmalerei, die ja in unserer Zeit durch die Verwendung von Computern mit bildmanipulierender Software fast keine Rolle mehr spielt. Wohl aber bei Renato Casaro, der seinen Weg, den der Malerei, unbeirrt weiter ging und sich erst 1998 ins Privatleben zurückzog.

In drei Kapiteln: „Frühe Jahre – neue Filme“, „Komödie und Italo-Western“ und „Großes Kino – Internationale Produktionen“ wird Casaros Schaffen von den 50er bis Anfang der 70er Jahre, dann bis zum Anfang der 80er und schließlich bis zur Mitte der 90er Jahre verfolgt. Wie also hat Casaro gearbeitet, was war das Besondere seines Stils? Ihm gelang es, aus den 130.000 Bildern, die einen Film ausmachen, jenes eine herauszufiltern, das alle Elemente des Films enthielt: den Ort der Handlung, den Darsteller in einer Schlüsselszene, in der auch seine Eigenschaften „plakativ“ also überspitzt erkennbar sind und natürlich die Stimmung des Films. Er hat alle Filme verinnerlicht: die platten Komödien Hallervordens genauso wie die Westernfilme aus Italien und die großen Hollywood-Produktionen. Dabei konnte er auf ein anscheinend unbeschränktes Reservoir von Gestaltungsmöglichkeiten zurückgreifen, die Variationsmöglichkeiten, was alles auf einem Plakat Platz hat, ausreizen. Ihm gelang die Überfülle genauso wie die völlige Reduktion. Bei „Camelot“ brachte er einen Ritter in voller Rüstung, einen Mann und eine Frau (mit Blumen im Haar), eine Liebesszene und eine wilde Kampfszene auf ein Bild. Er konnte aber für „Himmel über der Wüste“ auch unendliche Leere darstellen. Und – er musste nie auf ein Foto zurückgreifen, er konnte den Gesichtsausdruck seines Helden selbst gestalten. So wie er die Entschlossenheit und Brutalität in John Waynes Gesicht hineinmalte oder die Zweifel in das von Gary Cooper, war das natürlich „plakativ“, aber doch auf der Höhe eines einschlägigen gestalterischen Könnens.

Den Buchmachern war es sichtlich nicht so wichtig, seine Plakate umfassend darzustellen als vielmehr auch seine Arbeitsweise zu zeigen, wie er denn an die Gestaltung seiner Entwürfe herangegangen war. Denn Casaro besaß die einmalige Gabe, Bewegung in seinen Bildern erstarren zu lassen, voll darauf vertrauend, dass im Kopf – oder doch eher in der Fantasie des Betrachters – die Handlung sowieso sofort weitergehen würde. Oder, wenn das nicht der Fall wäre, er – in welchem Körperteil auch immer – die Lust entstehen lassen konnte, ins Kino hineinstürmen zu müssen, um zu wissen, wie das denn nun weitergeht.

Grohnert, René: Gemalter Film. Plakate von Renato Casaro, Museum Folkwang, Göttingen 2012.

Weitere Hinweise:
Das Buch kann unter bestellung@museum-folkwang.essen.de geordert werden.
Es lohnt auch, die Website des Künstlers unter www.casaro-renato-art.com aufzusuchen.

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