Neueröffnung der „Sammlung Moderne“ im MKG Hamburg

Margarete Schütte-Lihotzky, Frankfurter Küche, 1926, Eigentum der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, (Foto: Martin Luther und Dirk Fellenberg)

Das „Museum für Kunst und Gewerbe“ in Hamburg beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Europa. Begründet wurde diese Institution von Justus Brinckmann (1843–1915), der dabei von Rudolf Eitelberger (1817–1885), dem ersten Direktor des „Österreichischen Museums für Kunst und Industrie“, geprägt war. Brinckmann hatte während eines Studienjahres in Wien die Vorlesungen von Eitelberger besucht und dessen Programm, über die Förderung des Kunstgewerbes auch die Wirtschaft zu beleben, nach Hamburg importiert. Zeit seines Lebens blieb Justus Brinckmann der Stadt Wien und deren kreativen Szene eng verbunden. Dies führte nicht nur dazu, dass Künstler wie Carl Otto Czeschka, Anton Kling oder Franz Karl Delavilla als Lehrer an die Kunstgewerbeschule nach Hamburg geholt wurden, sondern bescherte dem MKG auch wertvolle Bestände Wiener Provenienz.

Erfreulicherweise wurde nun eine Erneuerung der schon etwas in die Jahre gekommenen Museumspräsentation gestartet. Begonnen wird dabei mit der Neueröffnung der „Sammlung Moderne“ unter der Kuratorinnenschaft von Claudia Banz: In sechs Kapiteln wird die Entwicklung der angewandten Kunst von den ersten Weltausstellungen im 19. Jahrhundert und der Gründung  des „Museums für Kunst und Gewerbe“ über Jugendstil, Art Deco und „Neues Wohnen“ bis zu den Gestaltungsideen der modernen Abstraktion anhand wertvoller Objekte dargestellt. Erstmals ist in der Dauerausstellung eine „Frankfurter Küche“ zu sehen, also jener schon legendäre Entwurf, der von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) für ein soziales Siedlungsprojekt entwickelt worden war.

Ein anderer Architekt, dem in der Neuaufstellung eine besondere Rolle zukommt und der auch für die Entwicklung der Moderne in Österreich große Bedeutung hat, ist der geborene Hamburger Peter Behrens (1868–1940). Ihm ist unter dem Titel „Vom Jugendstil zum Industriedesign“ ein eigenes, ausführliches Kapitel gewidmet. Behrens baute als gelernter Maler auf der von Joseph Maria Olbrich geleiteten „Mathildenhöhe“ in Darmstadt sein erstes, viel beachtetes Haus. Von 1907–1914 entwarf er das gesamte Erscheinungsbild der deutschen Elektrofirma AEG: Vom Logo über die Werbung und die Gestaltung der Produkte bis hin zur Architektur der Firmengebäude reichte dabei sein Arbeitsspektrum. Von 1922 bis 1927 war Behrens als Nachfolger von Otto Wagner Vertragsprofessor und Leiter einer Architekturabteilung an der „Akademie der bildenden Künste“ in Wien, von 1933 bis 1935 sogar Rektor der Wiener Akademie, 1935/36 dann Prorektor. Auch als Lehrer war Behrens sehr erfolgreich: Später so prominente Architekten wie Robert Kramreiter, Otto Niedermoser, Ernst A. Plischke oder Anton Brenner gehörten zu seinen Schülern. Neben dieser Lehrtätigkeit plante Behrens auch Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien im 5., 20. und 22. Bezirk. Doch sein wichtigstes Werk in Österreich ist zweifellos die 1935 fertiggestellte „Zigarettenfabrik“ in Linz, die er gemeinsam mit seinem Schüler Alexander Popp entworfen hatte und die zu den herausragenden Beispielen moderner österreichischer Industriearchitektur gehört.

Weitere Hinweise:
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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