Wien: Ausstellung über Rudolf Kalvach

Rudolf Kalvach, Detail aus dem Plakat für die Kunstschau 1908

„Die erste Gesamtpräsentation des Werkes von Rudolf Kalvach fügt sich in den Anspruch des Leopold Museums ein, als Sammlermuseum ein lebendiger Ort für Neuentdeckungen und wissenschaftliche Aufarbeitungen abseits üblicher Wege zu sein“, sagt der neue „museologische Direktor“ des Leopold Museums Tobias Natter über sein aktuelles Ausstellungsprojekt. Im zumeist seltsam unkoordinierten Konzert der großen Wiener Kunstmuseen hat es Natter erstaunlich schnell geschafft, für sein Museum mit einer sehr speziellen Klimt-Schau und nun mit dem wichtigen Kalvach-Projekt eine unverwechselbare Position zu finden.

Kenner der österreichischen und europäischen Plakatkunst kennen den Namen des Künstlers Rudolf Kalvach schon seit langem, hat er doch gemeinsam mit Oskar Kokoschka die beiden für ihre Zeit extremen Plakate für die renommierte Wiener Kunstschau 1908 geschaffen. 1992 schrieb Bernhard Denscher in seiner Publikation „Österreichische Plakatkunst“ dazu: „Es zeigt die Offenheit der für die Kunstschau Verantwortlichen, dass man zwei Studenten, die sich so bewusst von der Weltsicht ihrer Lehrer abgewandt hatten, das graphische Erscheinungsbild der Schau wesentlich mitgestalten ließ. Mit diesen Arbeiten hielt eine neue Moderne in Wien ihren Einzug, die sich unbekümmert und in einer fast brutal andersgearteten Formensprache äußerte.“

Rudolf Kalvach wurde am 22.12.1883 in Wien geboren. Schon früh zeigte sich seine zeichnerische Begabung, er besuchte die Wiener Kunstgewerbeschule, wo er bei Alfred Roller, Felician von Myrbach, Carl Otto Czeschka und Bertold Löffler studierte. Als hervorragender Grafiker schuf er eine Reihe von weithin beachteten Holzschnitten über Triest (wo er zeitweise lebte), blieb aber immer auch den gebrauchs­grafischen Arbeiten verbunden. So schuf er neben Plakaten auch Spielkarten, Etiketten, Bucheigner­zeichen, Postkarten und Bilderbögen für die Wiener Werkstätte. Rudolf Kalvach war Mitglied der „Neukunstgruppe“ und des „Österreichischen Werkbundes“. Die Jahre von 1912 bis 1915 musste er aufgrund einer schweren Schizophrenie in der psychiatrische Anstalt Steinhof in Wien zubringen, ab 1921 musste er wieder nach Steinhof und wurde 1926 in die Nervenklinik Kosmanos in der Tschechoslowakei verbracht, wo er völlig vergessen von der Kunstwelt am 14.3.1932 verstarb. Umso wichtiger ist nun diese Ausstellung „Fantastisch! Rudolf Kalvach“, die bis zum 10.9.2012 im Leopold Museum in Wien zu sehen ist.

Weitere Hinweise:
Natter, Tobias G. – Roberto Festi – Franz Smola (Hrsg.): Fantastisch! Rudolf Kalvach. Wien und Triest um 1900. Mit Verzeichnis aller Werke, Wien – Milano 2012.
FANTASTISCH! RUDOLF KALVACH – Leopold Museum
Triest und Wien um die Jahrhundertwende: Das fantastische Werk von Rudolf Kalvach – Flaneurin

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