Gustav Klimt und das Wiener Künstlerhaus

Ausstellungsansicht (Fotos: B. Denscher)

Während sich im Wien des Jahres 2012 eine Reihe von Institutionen in einer gedenktagebedingten Klimt-Euphorie ergehen und sonst respektable Institutionen nicht davor zurückschreckten, des Meisters Werke als Dekorationen für Konfitüregläser zur Verfügung zu stellen, bietet das Wiener Künstlerhaus mit seiner aktuellen Ausstellung „Ohne Klimt. Klimt und das Künstlerhaus“ eine bemerkenswerte Alternative. Es ist eine relative kleine, aber tatsächlich feine Ausstellung, zusammengestellt von den beiden Kuratoren Peter Bogner und Patrick Fiska. Mit interessanten Dokumenten, wie Briefen, Fotos und Plakaten aus dem Künstlerhausarchiv, wird die wechselvolle Beziehung zwischen Gustav Klimt und dem Künstlerhaus dargestellt.

Gustav Klimt wurde 1891 Mitglied der „Genossenschaft der bildenden Künstler Wien“, wie der offizielle Name des Künstlerhauses lautet. Die Mitgliedschaft in der Künstlergemeinschaft verschaffte ihm bedeutende Kontakte und entsprechende Aufträge, denn die Ausstellungen der Vereinigung wurden von bis zu 100.000 Kunstinteressierten besucht. Doch vor allem wegen der Ausstellungspolitik und deren – aus Sicht einiger Mitglieder – konservativer Orientierung kam es 1897 zum Exodus einer Gruppe von Künstlern – angeführt von Gustav Klimt – aus der Genossenschaft und in der Folge zur Gründung der Wiener Secession. Auf dem in der Ausstellung präsentierten Austrittschreiben steht zu lesen: „Die Unterzeichneten weisen die ihnen in der Generalversammlung vom 22.5.97 ausgesprochene, jeder rechtlichen Grundlage entbehrenden Missbilligung auf das Entschiedenste zurück und erklären hiemit ihren Austritt aus dem Verbunde der Genossenschaft. Wien, 24.5.97.“ Unterzeichnet ist der Brief an erster Stelle von Gustav Klimt, es folgen Namen wie Carl Moll, Joseph Olbrich, Koloman Moser oder Felician Myrbach. Im Wesentlichen ging es, so wie später beim Austritt der Klimtgruppe aus der Secession im Jahr 1905, um die Frage, wie weit auch das Kunstgewerbe Teil des praktizierten Kunstbegriffes sein sollte. Klimt und seine Gesinnungsgenossen vertraten vehement die Position, Kunst und Alltagsleben zu einer Einheit werden zu lassen. Bereits am 27.6.1897 fand die erste Generalversammlung der „Vereinigung bildender Künstler Österreichs – Secession“ statt. Unter anderem wurde beschlossen, mit „Ver Sacrum“ ein eigenes Kunstmagazin herauszubringen. Ein Jahr später, 1898, erschien das erste Heft, in dem es programmatisch hieß: „Wir kennen keine Unterscheidung zwischen ‚hoher Kunst‘ und ‚Kleinkunst‘, zwischen Kunst für die Reichen und Kunst für die Armen. Kunst ist Allgemeingut.“

Die aktuelle Schau im Künstlerhaus zeigt, dass der Antagonismus von reaktionärem Künstlerhaus und avantgardistischer Secession in dem bisher tradierten Schwarz-Weiß-Schema nicht haltbar ist. Die Ausstellung beweist unter anderem mit einer Reihe von durchaus modernen Künstlerhaus-Plakaten, die von Entwerfern wie Heinrich Lefler oder Josef Breitner stammen, dass man hier durchaus Sinn für qualitätsvolle Gebrauchsgrafik hatte, und sie dokumentiert auch eine gewisse, damals noch unübliche Aufgeschlossenheit gegenüber Künstlerinnen.

Rudolf Hübl bei seiner Performance

Rudolf Hübl bei seiner Performance

Dass das Künstlerhaus auch heutzutage offen gegenüber Neuem ist, bewies die Performance des Wiener „Volxkünstlers“ und Ethnologen Rudolf Hübl im Rahmen der Vernissage. Bei seiner Aktion formte Hübl aus den Klimt-Plakaten des Jahres 2012 „Klimt-Plakat-Würste“ und schuf damit Objekte, mit denen die kommerzielle „Verwurstung“ von Gustav Klimt aus Anlass von dessen 150. Geburtstag in satirischer Weise verdinglicht wird. Und sollte jemandem von zu vielem Klimt-Kitsch schlecht werden, so hält Rudolf Hübl auch aus aktuellen Wiener Klimt-Plakaten gefertigte Sickbags bereit!

Weitere Hinweise:
Künstlerhaus – Ohne Klimt. Klimt und das Künstlerhaus

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