Ein Jahrhundert olympische Plakate

Detail aus dem ersten Plakat für Olympische Spiele (Stockholm 1912) gestaltet von Olle Hjortzberg

Vor hundert Jahren fanden in Stockholm die fünften Olympischen Spiele statt. Die Veranstaltung im Jahr 1912 gilt als ein Meilenstein in der Professionalisierung dieser Wettkampfserie. Die schwedischen Organisatoren sorgten dabei nicht nur für entsprechende sportliche Bedingungen, sondern sie wussten den Event auch wirtschaftlich zu nutzen. Erstmals gab es ein umfassendes Werbekonzept für den Besuch der Spiele. In diesem Zusammenhang wurde auch das erste olympische Plakat herausgebracht. Entworfen hat es der anerkannte schwedische Künstler Olle Hjortzberg in einer sehr modernen Form. Dass man es mit der Öffentlichkeitsarbeit in Stockholm tatsächlich ernst meinte, beweist der Umstand, dass das Blatt in einer Auflage von über 88.000 Exemplaren in 16 Sprachen publiziert wurde.

Erfahren kann man derartige Details in dem hervorragenden Buch „A Century of Olympic Posters“ von Margaret Timmers. Die Autorin war „Senior Curator of Prints and the Book in the Word & Image Departement“ des Victoria and Albert Museums in London. Sie hat für das Museum schon früher einige wichtige Ausstellungen, wie etwa „Posters from Eastern Europe and the USSR“ (1990) oder „The Power of the Poster“ (1998), kuratiert. Ihr exzellentes Wissen zur Geschichte des Plakats konnte Margaret Timmers auch in der vorliegenden Publikation, die zu einer internationalen Wanderausstellung des Victoria and Albert Museums erschienen ist, unter Beweis stellen. Die Schau wurde aus Anlass der Durchführung der Olympischen Spiele in London bereits im Jahr 2008 zusammengestellt und ist seitdem an verschiedenen Orten gezeigt worden – derzeit macht sie im australischen „National Sports Museum“ in der Olympia-Stadt Melbourne bis September Station.

Margaret Timmers erzählt in dem Buch die Geschichte der Olympischen Spiele anhand der Plakate, aber sie geht darüber noch hinaus: „Viewed from a historical perspective, Olympic Games posters provide a fascinating record of our world. As periodic snapshots through time, they offer a means by which we can explore links between sport and art, politics and place, commerce and culture.“ Diesem Konzept entsprechend gibt es neben den chronologisch orientierten Kapiteln auch Querschnittsanalysen zu den Themen „Body Beautiful“, „Symbols and Identity“, „Commerce“ und „Diversity“. Unter den zahlreichen Abbildungen finden sich Plakate von so renommierten Künstlern wie Josef Albers, Max Bill, Victor Vasarely, Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein oder David Hockney.

In Österreich gab es bereits zweimal Olympische Winterspiele, 1964 und 1976, und zwar beide in Innsbruck. Deshalb finden sich in dem Buch sowohl das Plakat von Wilhelm Jaruska aus dem Jahr 1964 als auch jenes von Arthur Zelger von 1976. Die Autorin berichtet, dass sich Jaruska in einem Wettbewerb, an dem sich 12 österreichische Grafiker beteiligt hatten, durchsetze und das Poster in einer Auflage von exakt 56.695 Exemplaren in 10 verschiedenen Sprachen verbreitet wurde. Die Arbeit von Zelger aus dem Jahr 1976 wurde mit einer Auflage von 11.000 Stück herausgebracht.

Neben der Design- und Mediengeschichte widmet sich Margaret Timmers in ihrem Buch auch den sportlichen Highlights. So berichtet sie etwa – zur Freude der nicht immer verwöhnten österreichischen Sportfans – über die Spiele von 1976 Folgendes: „In the event, 37 nations participated and, to the delight of the home crowd, Austrian Franz Klammer won the coveted downhill skiing event on the first day and Karl Schnabl the big hill ski jump competition on the last.“

Timmers, Margaret: A Century of Olympic Posters, London 2008.

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