Die Wiener Werkbundsiedlung

Ausstellungsplakat für die Werkbundsiedlung, Entwurf: Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum © Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv (Detail)

Eines der interessantesten Beispiele österreichischer Architekturgeschichte steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung des „Wien Museums am Karlsplatz“ – nämlich die 1932 in Wien eröffnete Werkbundsiedlung. Das Projekt war unter der Leitung des Architekten und Designers Josef Frank gestanden, 32 in- und ausländische Architekten wurden eingeladen, wirtschaftlich erschwingliche Einfamilienhäuser zu planen. Die Entwürfe für die 70 eingerichteten Musterbauten stammten unter anderem von so namhaften Persönlichkeiten, wie Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister, Adolf Loos, André Lurçat, Richard Neutra, Gerrit Rietveld oder Margarete Schütte-Lihotzky. Präsentiert wurden die Häuser im Rahmen einer internationalen Ausstellung, die großes Interesse fand. Insgesamt kamen rund 100.000 Besucherinnen und Besucher, um die Siedlung im 13. Wiener Gemeindebezirk zu besichtigen – ein Publikumszulauf, für den auch eine entsprechend professionelle Öffentlichkeitsarbeit gesorgt hatte. Beworben wurde das Projekt unter anderem mit Plakaten, die vom Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum gestaltet worden waren. Diese der Wiener Stadtverwaltung nahestehende Institution war eine Gründung von Otto Neurath, der dort mit einigen Grafikern vor allem auch die Prinzipien der heute weltweit gebräuchlichen Bildstatistiken erarbeitete. Bei der Auftragsvergabe offenbar nicht zum Zug gekommen war der damals schon bekannte Joseph Binder, dessen Plakatentwurf für die Werkbundsiedlung nun vom „Wien Museum“ für seine Ausstellung verwendet wird. Das Original dazu befindet sich im Binder-Nachlass im „Museum für angewandte Kunst“ in Wien, wo man das Oeuvre des Grafikers vorbildlich aufgearbeitet hat.

Der Österreichische Werkbund, auf den die Wiener Bauausstellung im Jahr 1932 zurückging, war nach Vorbild des Deutschen Werkbundes gegründet worden und hatte sich zur Aufgabe gestellt, ästhetisch anspruchsvolle Architektur und funktionelles Design mit gediegenen handwerklichen Qualitäten zu verbinden. Diesen Vorstellungen entsprechend achtete die Vereinigung auf eine professionelle und zeitgemäße grafische Darstellung ihrer Aktivitäten. Bemerkenswert ist, dass Frauen, was für die damalige Zeit noch eher untypisch war, als Gestalterinnen tätig waren: So entwarf Elsa Engel-Mainfelden 1929 ein modernes Plakat für die Ausstellung „Neues Bauen“ und drei Jahre später das Cover des Kataloges zur Werkbundsiedlung. Auch die vielseitige Gestalterin Mathilde Flögl arbeitete für die Vereinigung.

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