Ungarische Moderne

Róbert Berény, Selbstbildnis mit Strohhut, 1906, Magyar Nemzeti Galéria, Budapest, © VBK, Wien, 2012 (Detail)

„Die Acht. Ungarns Highway in die Moderne“ lautet der Titel der Ausstellung, die im Wiener „Bank Austria Kunstforum” eröffnet wurde. Thema der Schau ist die ungarische Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Denn „Die Acht“ waren Róbert Berény, Dezső Czigány, Béla Czóbel, Károly Kernstok, Ödön Márffy, Dezső Orbán, Bertalan Pór und Lajos Tihanyi, die in Paris Fauvismus und Kubismus kennen gelernt hatten und ihre eigene künstlerischen Arbeiten daran orientierten. 1909 stellte die Gruppe erstmals in Budapest aus und brachte damit neue Impulse der Moderne in die Kunst des damaligen Österreich-Ungarn ein. Das Credo der Gruppe lautete: „Wir sind Anhänger der Natur. Wir kopieren sie nicht mit dem Blick der Akademien. Wir schöpfen aus ihr systematisch und mit Verstand.“

1911 folgte eine weitere gemeinsame Schau der Acht, doch schon ein Jahr später präsentierten sich mit Berény, Tihanyi, Orbán und Pór nur noch vier Mitglieder der Gruppe in einer gemeinsamen Budapester Ausstellung. Es waren jene Künstler, die sich zunehmend dem damals aktuelleren Expressionismus zuwandten. Zur endgültigen Auflösung der Gruppe kam es im Jahr 1914 in Zusammenhang mit einer Einladung der Acht in das Wiener Künstlerhaus. Die konservative Jury des Künstlerhauses lehnte die Kunst von Béreny und Tihanyi ab, worauf Pór aus Solidarität mit den beiden Kollegen seine Werke zurückzog. Davon unbeeindruckt blieben die anderen und stellten dem Künstlerhaus ihre Arbeiten zur Verfügung.

Mit den Geschehnissen rund um die Künstlerhaus-Ausstellung 1914 endet die aktuelle Schau im „Kunstforum” und hinterlässt damit den Eindruck, als ob alle genannten Künstler danach völlig in Vergessenheit geraten und nun erst „wiederentdeckt“ worden seien. Leider wurde nicht versucht, diese kurze Zeit des Bestehens der Gruppe der Acht in einen größeren Zusammenhang zu stellen oder zumindest die weiteren Lebenswege der Künstler nachzuzeichnen. Die Präsentation hätte aufschlussreicher und damit spannender werden können. So aber wurde die Ausstellung im Kunstforum leider umgehend zum medialen Misserfolg, denn die Besprechungen in den Zeitungen sind durchwegs schlecht: „Ein Pfad in die stilistische Ratlosigkeit“ titelte etwa der „Kurier“, und der „Standard“ setzte nicht weniger kritisch nach: „Ans Licht gezerrte, vergessene Katalysatoren“.

In der Ausstellung bleibt unerwähnt, was auch im Katalog nur kurz angedeutet wird, dass nämlich Róbert Béreny und Bertalan Pór für die ungarische Räterepublik im Jahr 1919 Plakate entwarfen, die zu Ikonen der ungarischen Geschichte wurden und darüber hinaus zu Standards der politischen Bild-Propaganda des 20. Jahrhunderts. Béreny widmete sich später auch der Wirtschaftswerbung, und es gelang ihm mit seinem konstruktivistischen Plakat für „Modiano“ ein viel publiziertes Beispiel für den modernen Zeitgeist der 1920er Jahre. Und 2011 zeigte das MOMA in New York eine Schau „Seeing Red: Hungarian Revolutionary Posters“, in der unter anderem Werke von Bertalan Pór präsentiert wurden.

Weitere Hinweise:
Die Acht. Ungarns Highway in die Moderne | Ausstellungen | Bank Austria Kunstforum