100 beste Plakate 11

Detail aus dem Buchcover, Entwurf: Marina Gärtner, Lena Haase

„Plakate sind heute für Gestalter der ‚Battleground‘, auf dem sie mit sich selber und anderen um neue visuelle Ideen, Aussagen, Codes und Visualitäten ringen. Im Kontext eines Gestaltungswettbewerbs mit zeitgenössischem Anspruch sind Plakate damit auch Diskurs über das, was visuelle Kommunikation sein könnte“, schreibt Sascha Lobe, der Vorsitzende der Jury des Plakatcontests „Die 100 besten…“, im aktuellen Katalog zu dem alljährlich stattfindenden Wettbewerb.

Nach Präsentationen in Berlin und Nürnberg werden die 100 besten Plakate des vergangenen Jahres noch bis 30.9. im Essener ChorForum St. Engelbert in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Plakat Museum gezeigt. Danach geht die Schau nach Luzern, dann macht die Ausstellungstournee „100 beste Plakate 11“ von 18.10.2012 bis 10.11.2012 im designforum Vorarlberg in Dornbirn und ab 28.11.2012 im Wiener MAK Station.

An österreichischen Arbeiten sind heuer eine vom Atelier 3007 (Eva Dranaz, Jochen Fill) entworfene Serie für das Wiener Musiklokal rhiz sowie ein Veranstaltungsplakat für die Universität für angewandte Kunst von Christian Schlager und Marie-Christine Schmid dabei.

Bewährt hat sich das Konzept, die Begleitbücher zur Ausstellung jedes Jahr unter ein bestimmtes inhaltliches Motto zu stellen. Heuer findet sich in dem Katalog neben allen Abbildungen der prämierten Plakate ein überaus spannender Artikel der Berliner Expertin Anita Kühnel zum Thema „Schwarz und Weiß im Meer der Farben“. Kühnel beginnt ihre Ausführungen mit einem Hinweis auf die zeitgenössische Filmszene: „2009 erhielt Michael Haneke für seinen Schwarzweiß-Film ‚Das weiße Band‘ auf den 62. Internationalen Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme. In der Nacht vom 26. zum 27. Februar 2012 wurde der französische Film ‚The Artist‘ mit gleich fünf Oscars geehrt – ein Film, der ohne Ton [das gesprochene Wort] auskommt und ebenfalls ohne Farbe.“ Von hier weg spannt die Autorin den Bogen zurück bis zu den Anfängen des Plakats, als die frühen Schriftplakate noch aus Mangel an technischen Alternativen in Schwarzweiß gehalten waren, und Kühnel weist darauf hin, dass gerade der Einsatz der Farbe einer der ersten großen Fortschritte in der Entwicklung des Mediums gewesen war. Allerdings versuchten – angesichts der überbordenden Buntheit der Städte – schon bald wieder herausragende Gestalter, mit reduzierter Farbgebung in ihren Arbeiten aus der allgemeinen Grellheit herauszustechen. Auch der Einsatz der Fotografie ließ für eine Zeit lang den Schwarzweiß-Effekt auf den Plakaten erneut stärker werden. Als Reaktion auf den darauf auftretenden inflationären Einsatz der Farbfotografie in der Werbung folgte eine schwarzweiße Gegenbewegung im Bereich der Kulturplakate und in den Grafiken der alternativen Szenen.

Insgesamt ist Kühnels Text ein interessanter und überaus passender Beitrag in dem in Schwarzweiß gehaltenen Katalog, dessen ansprechendes grafisches Konzept von Marina Gärtner und Lena Haase – beide Studentinnen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart – stammt.

100 beste Plakate 11 / Deutschland / Österreich / Schweiz, Mainz 2012.

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