„Alles Reklame!“ in Darmstadt

Detail aus einem Plakat von Joseph Maria Olbrich, 1901, Institut Mathildenhöhe, Städtische Kunstsammlung Darmstadt, Foto: Gregor Schuster

Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, gründete 1899 die Darmstädter Künstlerkolonie „Mathildenhöhe“. Bei dieser Initiative ging es um mehr als um feudale Prachtentfaltung – nämlich um eine moderne politische und vor allem ökonomische Strategie. Ernst Ludwig, ein Enkel von Queen Victoria, brachte ent­sprechende Erfahrungen von Aufenthalten in Groß­britannien mit und wusste, dass er mit seiner Residenzstadt nicht in Konkurrenz mit echten Industrie­regionen treten konnte. So setzte er – beeinflusst vom Arts and Crafts Movement – auf die Förderung von hochwertigem Kunsthandwerk. Dafür holte er eine Reihe von jungen Künstlern nach Darmstadt, wobei der Architekt der Wiener Secession, Joseph Maria Olbrich, zum bedeutendsten Exponenten der Kolonie wurde. In Darmstadt konnte sich auch Peter Behrens, später einer der wichtigsten Vertreter des modernen Industrie­designs, erstmals als Architekt versuchen. Die Stadt entwickelte sich durch die Aktivitäten des Großherzogs zu einem Zentrum der angewandten Kunst und des deutschen Jugendstils. Unter gezielter Förderung der Kreativwirtschaft war damit in Deutschland so etwas wie eine frühe „Designregion“ entstanden.

Das „Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe“ erinnert an das große Erbe der Stadt in Form einer ständigen Sammlungspräsentation und mit wechselnden Sonder­ausstellungen. Von 7. Oktober 2012 bis 6. Januar 2013 ist nun unter dem Titel „Alles Reklame!“ eine Schau dem Thema der „Plakatkunst der Künstlerkolonie Darmstadt“ gewidmet. Die von Philipp Gutbrod kuratierte Zusammen­stellung umfasst über 60 Plakate sowie Originalentwürfe, Aquarelle, Zeichnungen und Bücher aus der Zeit von 1899 bis 1914. Es sind dabei Werke von so namhaften Künstlern wie Peter Behrens, Hans Christiansen, Johann Vincenz Cissarz, Friedrich Wilhelm Kleukens oder Joseph Maria Olbrich zu sehen.

Entsprechend der Ideologie der Wiener Secession, deren Gründungsmitglied Olbrich war, erschienen ihm keine Aufgabe und kein Gegenstand zu minder, um nicht Thema einer künstlerischen Auseinandersetzung zu sein. Olbrichs Oeuvre enthält neben seinem bedeutenden architektonischen Werk so auch Entwürfe von Schirm- und Stockgriffen, Tafelbesteck, Geschirrtüchern, Vasen oder Öfen. Joseph Maria Olbrich war ein hervor­ragender Zeichner und hinterließ ein umfangreiches grafisches Werk. Schon in seiner Wiener Zeit hatte er für die Zeitschrift „Ver sacrum“ nicht weniger als 50 Entwürfe geschaffen. Auch das Plakat für die erste Ausstellung im neu errichteten Secessionsgebäude stammt von ihm. Und in Darmstadt ließ es sich Olbrich ebenso nicht nehmen, das Plakat für die erste Präsentation der Künstlerkolonie im Jahr 1901 zu entwerfen.

Weitere Hinweise:
Mathildenhöhe Darmstadt

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