Hamburg: Emil Orlik in Japan

Emil Orlik, Bäuerin, 1901

„Wie ein Traum!“ so lautet der Titel der Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe über Emil Orliks künstlerische Auseinandersetzung mit Japan. Der 1870 in Prag geborene Grafiker mit engen Verbindungen zu Wien hielt sich von 1900 bis 1901 in Japan auf, um dort vor allem die Technik des Farbholzschnittes zu studieren. Der Japonismus, die Übernahme japanischer Stilelemente in die europäische Kunst, war damals ein bestimmender Faktor des Jugendstils und der Wiener Secession, deren Mitglied Orlik war.

Später schrieb Orlik über seine auf dieser Reise gemachten Erfahrungen: „Holzschneider und Farbendrucker sind in Japan ein Werkzeug des Malers. Peintres-graveurs in europäischem Sinne hat es in Japan nie gegeben. Es ist bekannt, dass Utamaro und Hokusai für bestimmte Verleger gearbeitet haben, und ein bestimmter Holzschneider und Drucker arbeitet wiederum nur im Dienste der Meister: geradeso wie fast drei Jahrhunderte vorher die Holzschneider des großen Meisters von Nürnberg seinen Linien das Relief gab. Es gibt manches Gleiche in der Technik des alten deutschen Holzschnittes und in dem der Japaner. Nürnberg und Tokio! Jahrhunderte und Tausende von Meilen!“

Nach seiner Rückkehr aus Japan beteiligte sich Emil Orlik an einigen Ausstellungen der Wiener Secession, bis er 1905 mit der Gruppe um Gustav Klimt aus der Künstlervereinigung austrat. Im selben Jahr übersiedelte Orlik nach Berlin, nachdem er eine Berufung als Professor an die Staatliche Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums erhalten hatte. Ihm wurde dort die Leitung der Grafikklasse übertragen, wofür er – nicht zuletzt aufgrund seiner Japanerfahrungen und seiner gebrauchsgrafischen Arbeiten – bestens prädestiniert war.

In der aktuellen Hamburger Ausstellung werden mit über 65 Holzschnitten und Radierungen fast alle in Japan entstandenen Druckgrafiken von Emil Orlik präsentiert. Eine Reihe von Studien und Vorzeichnungen ergänzen die Schau.

Weitere Hinweise:
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Orlik, Emil: Kleine Aufsätze, Berlin 1924.

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