Friedrich Kiesler im Österreichischen Theatermuseum

Friedrich Kiesler, Eintrittskarte

Eine überaus sehenswerte Ausstellung ist derzeit unter dem Titel „Die Kulisse explodiert“ in Wien im Österreichischen Theatermuseum zu sehen: Sie ist einem speziellen Aspekt im vielseitigen Schaffen des 1965 verstorbenen Architekten und bildenden Künstlers Friedrich Kiesler gewidmet, nämlich seinen theaterbezogenen Arbeiten. Die exzellente Kiesler-Kennerin und Kuratorin der Ausstellung Barbara Lesák meint zu diesem Projekt: „Schon lange hatte sich bei mir die These gefestigt, dass der kreative Schaffensakt – diese kaum erklärbaren, tief innen sitzenden gestalterischen Kräfte – bei Kiesler zutiefst theatralisch getönt war. So sehr nämlich, dass Kiesler den zündenden theatralischen Impetus wie eine Fackel vor sich her trug, mit der er auch all seine anderen, seine so reichen und vielfältigen Ideen zum Leuchten brachte.“

Friedrich Kiesler – lange Zeit in Österreich wenig wahrgenommen – wurde erstmals 1985 in der legendären, von Robert Waissenberger kuratierten und von Hans Hollein gestalteten Schau „Traum und Wirklichkeit“ einem breiteren Publikum präsentiert. Es folgte eine Reihe von Publikationen und Ausstellungen, bei denen sich besonders Barbara Lesák und Dieter Bogner um die Pflege des Werkes von Kiesler verdient machten.

Friedrich Kiesler wurde am 22.9.1890 in Czernowitz, in der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Bukowina geboren. 1908 kam er nach Wien, um hier an der Technischen Hochschule zu studieren. 1910 wechselte er an die Akademie der Bildenden Künste. Während des Ersten Weltkrieges war Kiesler im Kriegspressequartier tätig. Danach lebte er vor allem von Porträtarbeiten, bis er 1923 mit seiner ersten Bühnenarbeit, der „Elektromechanischen Kulisse“ für die Aufführung von Karel Čapeks Stück „R.U.R“ im Theater am Kurfürstendamm in Berlin, schlagartig in der Kunstszene bekannt wurde. 1924 gestaltete und organisierte er in Wien die „Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik“ und sorgte auch für deren grafisches Erscheinungsbild. Er entwarf dafür nicht nur Plakat und Katalog, sondern sogar die Eintrittskarten.

Bedeutend ist diese Arbeit, weil Friedrich Kiesler damit und mit einem Plakat für eine Ausstellung in der Secession im selben Jahr den Stil des Konstruktivismus in die österreichische Gebrauchsgrafik einbrachte.

1926 ging Friedrich Kiesler mit seiner Frau nach New York, um dort die „International Theatre Exposition“ zu organisieren. Er blieb in den USA und beschäftigte sich weiterhin neben seinen Gestaltungen für modernes Theater mit visionären Architekturentwürfen. Sein bekanntestes realisiertes Werk wurde der „Shrine of Book“, das Gebäude zur Aufbewahrung von antiken Schriftrollen des Alten Testaments in Jerusalem, das er gemeinsam mit Armand Bartos entworfen hatte.