Hamburg: Als Kitsch noch Kunst war

Sunlight Soap, “From the Painting by G.D. Leslie R.A. Exhibited in the Royal Academy London 1887”, Chromolithografie, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Foto: MKG (Ausschnitt)

„Als Kitsch noch Kunst war. Farbendruck im 19. Jahrhundert“ – lautet der Titel einer originellen Ausstellung, die ab 11. Jänner 2013 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen ist. Der Titel, so das Museum, sei wörtlich zu nehmen: „Viele der oft süßlichen Chromolithografien des 19. Jahrhunderts gelten heute als Kitsch, doch sahen die meisten Zeitgenossen in ihnen Kunst und die Möglichkeit das Heim zu schmücken.“

Ab etwa 1850 wurden durch die Innovationen in der Drucktechnik Farbabbildungen ein leicht verfügbares Gut. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die bis heute andauert – ist doch die Verbildlichung unserer Medienwelt ist ein bestimmendes Element unserer Kultur geworden.

Bevor die Reklame gegen Ende des 19.Jahrhunderts durch Spezialisten professionalisiert wurde, hatten, wie die Hamburger Ausstellung zeigt, auch die Plakate noch den Charakter von großen Gemälden. Eine nahezu naive Freude an den relativ neuen Möglichkeiten des Farbdruckes beherrschte diese Blätter. Im Begleittext des Museums zur Schau heißt es dazu: „Bevor sich um 1890 eine junge Generation von Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec unter dem Eindruck des Plakats und des hoch geschätzten japanischen Farbholzschnitt an die moderne farbige Künstlergrafik wagten, hatten die rein industriell angefertigten Chromos, wie sie liebevoll genannt werden, den Siegeszug um die Welt angetreten. Die Ausstellung erzählt diese Erfolgsgeschichte.