Wien: Alle meschugge?

Aus einem Plakat, das für Radios warb, Entwurf: Atelier Hans Neumann, um 1925

Das Wort „meschugge“ kommt aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie „verrückt“ – und unter dem Titel „Alle meschugge?“ hat das Jüdische Museum Wien seine aktuelle Ausstellung dem Thema „Jüdischer Witz und Humor“ gewidmet. Die beiden Kuratoren Marcus G. Patka und Alfred Stalzer haben das Thema unter den unterschiedlichsten Aspekten bearbeitet und dabei einen geographischen Brückenschlag vom osteuropäischen Schtetl über Wien und Berlin bis nach Amerika und Israel gemacht. Inhaltlich wird der Bogen vom „lachenden Rebbe“ über Theater, Literatur, Operette, Schlager und Kabarett bis zu Film und Fernsehen gespannt. Zahlreiche Video- und Tonausschnitte sorgen in der Ausstellung dafür, dass das Thema Humor nicht nur theoretisch erörtert wird. Begleitend zur Schau ist auch ein repräsentativer, 424 Seiten umfassender, reich illustrierter Katalog erschienen.

Unter den zahlreichen Artikeln finden sich Beiträge zur Geschichte des Grafikdesigns, wie „Juden zeichnen in Amerika“ von Edward Portnoy, zur „Karikatur im Judentum“ von Severin Heinisch, zu „Animation, Cartoon und Comics“ von Günter Krenn und zu „Israelische politische Cartoons“ von Ilan Danjoux. Christian Maryška widmet sich in seinem Katalogbeitrag dem Thema „Plakativer Humor – Meschugge ist Trumpf, auch auf der Plakatwand“. In seiner Darstellung geht Maryška in vier „Akten“ den Themen „Revuetheater“, „Ball“, „Film“ und „Medien“ nach: „Wiens Unterhaltungsindustrie wurde selbstverständlich mit Plakaten und Ankündigungen beworben, und so findet sich jüdischer Humor auch im öffentlichen Raum“, vermerkt er dazu. Eine der von Christian Maryška besprochenen Affichen war der damals noch neuen Erfindung des Radios gewidmet und stammt aus dem erfolgreichen Grafikatelier von Hans Neumann. Der Grafiker musste nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland als Jude vor der rassistischen Verfolgung fliehen. Er emigrierte über London nach Australien, wo er ebenfalls ein Studio für Graphic Design betrieb. 1956 kehrte er – bereits krank – in seine Heimatstadt Wien zurück, wo er im Jahr 1960 verstarb.

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