Richard Teschner im Österreichischen Theatermuseum

Puppen, Plakate und vieles mehr (Foto: B. Denscher)

Das Österreichische Theatermuseum in Wien hat sich in den letzten Jahren zu einem der spannendsten und abwechslungsreichsten Ausstellungsorte des Landes entwickelt. Präsentationen wie jene über Gustav Mahler (2010), Friedrich Kiesler (2012), Peter Handke (2013) und nun über die schillernde Künstlerpersönlichkeit Richard Teschner belegen das formal wie inhaltlich hohe Niveau des Museums in beeindruckender Weise.

„Mit diesen meinen zwei Händen…“ lautet der etwas sperrige Haupttitel der Schau über die „Bühnen des Richard Teschner“. Die Präsentation ist jedoch alles andere als sperrig und zeigt auch wesentlich mehr als nur die Theaterarbeit des berühmten Puppenkünstlers. Denn Teschner war, wie viele Kreative seiner Generation, ein überaus vielseitiger Künstler.

Richard Teschner wurde am 22. März 1879 in Karlsbad / Karlovy Vary in Böhmen geboren. Sein Vater war Lithograf, und so begann sich Teschner schon früh mit Druckgrafik zu beschäftigen. Von 1895 bis 1899 studierte er an der Prager Kunst-Akademie, von 1900 bis 1901 an der Wiener Kunstgewerbeschule. Dann ging Teschner wieder zurück nach Prag, wo er unter anderem Gebrauchsgrafik, wie Plakatentwürfe und Buchausstattungen, gestaltete. Ab 1903 begann er sich mit Marionetten und in der Folge auch mit Bühnenausstattungen zu beschäftigen. 1909 übersiedelte er wieder nach Wien, wo er sehr intensiv für die Wiener Werkstätte arbeitete: Er gestaltete Kleinplastiken, Postkarten, Metallarbeiten, das Kinderbuch „Tobias Immerschneller“ und auch einen Brunnen für das Hauptwerk der Wiener Werkstätte, das von Josef Hoffmann entworfene Palais Stoclet in Brüssel. Ab seiner Heirat mit der wohlhabenden Emma Bacher im Jahr 1911 fiel der Produktionsdruck weg und Teschner konnte sich immer intensiver mit seinem poetisch versponnenen Puppentheater beschäftigen. Er erlangte damit internationale Anerkennung: 1934 spielte er in der Ausstellung „Austria in London“ über 100 Vorstellungen – unter anderem auch vor der britischen Königsfamilie. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Künstler zum Teil angefeindet, zum Teil versuchte er sich auch an das Regime anzunähern. Nach dem Krieg nahm er seine Theaterarbeit wieder erfolgreich auf. Richard Teschner starb am 4. Juli 1948 in Wien.

Zu der sehenswerten – von Ivan Ristić und Kurt Ifkovits kuratierten – Ausstellung im Theatermuseum ist auch ein hervorragend erarbeiteter Katalog mit einer umfassenden Darstellung von Leben und Werk von Richard Teschner erschienen.