Stefan Weber und “Drahdiwaberl”

Detail aus dem Konzertplakat „Rock gegen Polizeistaat“, 1990, © Stefan Weber

„Blutrausch – Stefan Weber und Drahdiwaberl“ lautet der Titel einer kleinen, aber engagierten Ausstellung im Wien Museum am Karlsplatz. Die Schau ist einem interessanten Kapitel österreichischer Popkultur gewidmet: Denn der Grafiker und langjährige Gymnasial-Professor für „Bildnerische Erziehung“ Stefan Weber kreierte mit seiner 1969 gegründeten Formation mit dem wienerischen Namen „Drahdiwaberl“ eine Mischung aus Popmusik, Sex, Trash und anarchischen Politparolen. „Es war schon immer mein Ziel“, so Weber, „Drahdiwaberl zur extremsten und obszönsten Band zu machen – und ich glaube, das haben wir geschafft!“ Er selbst und die Ausstellungsmacher des Wien Museums nennen den Wiener Aktionismus als stilprägend für die Band – dass Weber jedoch den britischen Sänger „Screaming Lord Sutch“ und dessen Band „The Raving Savages“ bei der Gründung von „Drahdiwaberl“ nicht kannte und von dem exzentrischen Engländer nicht beeinflusst war, erscheint schwer vorstellbar. Sutch hatte fast ein Jahrzehnt vor Stefan Weber mit seinen makabren Bühnenshows in London für Aufsehen gesorgt. Die frappierenden Ähnlichkeiten zwischen den Konzepten von Sutch und Weber gehen bis ins Details, wie etwa dem gemeinsamen Interesse an Jack the Ripper, der Liebe zu originellen Kopfbedeckungen oder einem Faible für Leopardenfell-Muster. Sutch gilt auch als Wegbereiter für Schock-Rocker, wie Alice Cooper oder Lizzy Borden.

Stefan Weber kommt mit seiner Ausbildung – und auch das hat er mit vielen englischen Popmusikern gemeinsam – von der bildenden Kunst: Er hat an der „Akademie der bildenden Künste“ in Wien studiert und 1975 mit Diplom abgeschlossen. Der begabte Grafiker prägte das Erscheinungsbild seiner Band in entscheidender Weise: Die meisten Plattencover, Plakate und Flyer für „Drahidwaberl“ gestaltete Weber, manches erarbeitete er gemeinsam mit seinem Freund Walter Stach. Eine umfassende Kollektion von Webers Plakatentwürfen befindet sich in der Sammlung der Wienbibliothek. Die Ausstellung im Wien Museum zeigt neben den gebrauchsgrafischen Arbeiten und einigen originellen Comics auch eine Auswahl von politischen Grafiken, wobei der Bogen von der Wiener Arena-Bewegung bis zu Webers Engagement gegen die schwarz-blaue Regierung in Österreich reicht.

Die sehenswerte Schau „Blutrausch – Stefan Weber und Drahdiwaberl“ ist bis 15. September 2013 im Wien Museum am Karlsplatz zu besichtigen und steht im Rahmen der Wiener Festwochen-Reihe „Into the City“, die 2013 das Motto „music and politics“ trägt.

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